SPIEGELeien

Heute macht der SPIEGEL oder genauer gesagt SPON mit Panik auf: „USA schicken zweiten Flugzeugträger nach Korea“ titeln die Hamburger. Allerdings ist das ein falscher Alarm. Die USS Ronald Reagan hat planmäßig ihre viermonatige Hafenliegezeit beendet und kehrt jetzt wie geplant in den Einsatz zurück. Die USS Carl Vinson hat ihr sechsmonatiges Deployment fast hinter sich, wird im Juni nach einer gemeinsamen Übung von der Reagan abgelöst und dampft dann Richtung San Diego. Das ist SNAFU und sonst nichts. Kein Grund, sich aufzuregen.

Viel interessanter wäre es, herauszufinden, was die Schiffe der DESRON 15 derzeit machen. Alle acht Schiffe des Zerstörer-Geschwaders sind BMD fähig und mit den neuesten Flugkörpern SM3 Block IIA ausgerüstet, die Mid Course Defense gegen ICBMs bieten. Diese Schiffe wären essentiell zur Raketenabwehr, wenn ein Angriff auf Nordkorea bevorstände. Benötigt würde zudem mindestens ein Cruise Missile Boot der Ohio-Klasse. Davon ist auf jeden Fall die USS Michigan SSGN 727 in der Region auf Patrouille.

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BUFFs to the Baltics

b-52 MITO

Wie das Luftfahrtblog The Aviationist meldet, haben die USA drei Bomber vom Typ B-52 auf die britische Luftwaffenbasis Fairford verlegt. Die auch als BUFFs (Big Ugly Fat Fellow) bezeichneten Bomber stammen von den strategischen US-Luftwaffenbasen Barskdale in Louisiana und Minot in North Dakota (derzeit auf der Ellsworth Air Force Base, South Dakota stationiert). Nach ofizieller Darstellung sollen die drei Langstreckenbomber Trainingsmissionen ausführen um sich mit den Gegebenheiten vertraut zu machen. Ein für diese Mission erstelltes Patch legt jedoch nahe, dass die Bomber an der Übung BALTOPS 2014 vom 6. bis 21. Juni in der Ostsee teilnehmen sollen und danach auch Teilnehmer der Übung Saber Strike 2014 zur Verteidigung der drei baltischen Staaten Lettland, Estland und Litauen sind. Nach Gerüchten, die The Aviationist zitiert, sollen in den nächsten Tagen weitere B-52 nach Fairford verlegt werden. Der Focus der US-Sicherheitspolitik hat sich verschoben. Das Baltikum wird zum neuen Brennpunkt.

R.I.P. MH370

Mit der heutigen Nachricht, dass die Suche nach Wrackteilen des verschollenen Fluges MH370 per Mini-U-Boot eingestellt wird, schließt sich die See wohl endgültig über dem Schicksal der 239 vermissten Menschen. Die Suche war von Anfang an hoffnungslos und sollte wohl der Natur der Sache nach fehlschlagen.

Dennoch halte ich es für an der Zeit, wenigstens das niederzuschreiben, was mir hinterbracht wurde und was ich zusammen mit ungenannt bleibenden Quellen für den sehr wahrscheinlichen Hintergrund des rätselhaften Verschwindens halte.

Ungefähr zwei Wochen nach dem Verschwinden von Flug MH370 kam mir der Gedanke, dass mehr hinter diesem vermeintlichen Unglück stecken könnte, als sich dem Auge erschließt. Als mögliches Szenario kam mir in den Sinn, dass MH370 eine Fracht an Bord gehabt haben könnte, die zwar offiziell für China bestimmt gewesen war, jedoch tatsächlich in ein Drittland umgeleitet werden sollte. Eine Fracht von so großer Bedeutung für ein oder mehrere Drittländer (Iran, Birma, Nordkorea) dass sich das Verbrechen lohnte, einen Piloten (oder beide) dazu zu bringen, die Maschine umzuleiten und 239 Menschen zu ermorden.

Meine Idee erwies sich jedoch als falsch oder halb falsch und halb richtig, nachdem ich sie mit einer meiner Quellen besprochen hatte. Diese Quelle, die über sehr weitreichende Kontakt verfügt, die ich nicht kenne, die jedoch die Welt seit Jahrzehnten umspannen und auch in Bereiche reichen, in die kein Licht fallen soll, äußerte sich zu meiner Idee anfänglich so: „Möglich, aber weit, weit hergeholt.“ Nach einigen Tagen erhielt ich jedoch einen Anruf dieser Quelle, die mir erklärte, nach Gesprächen sei es nun „sehr wahrscheinlich“, dass MH370 eine Fracht an Bord hatte, die für China bestimmt war, dort jedoch unter gar keinen Umständen ankommen durfte. Das Flugzeug, das ebenso fernsteuerbar sei wie eine Drohne, sei aus der Ferne umgeleitet worden, um in der Welteinsamkeit des südlichen Indischen Ozeans in Tiefen versenkt zu werden, in die nur eine Nation dieser Welt mit Tauchfahrzeugen vordringen kann. Und diese Nation hat sich an der späteren Suche nicht beteiligt. Über die Natur der Fracht lässt sich nur spekulieren, „etwas nukleares“ war es wohl eher nicht, sondern vermutlich Technologie, ein technisches Kernstück einer Weltmacht.

Meine Quelle wurde ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es ein Land in dieser Angelegenheit gibt, dass, obwohl ihm alle  Möglichkeiten der elektronischen Aufklärung, der technischen Erfassung und alle Ressourcen zur Suche zur Verfügung standen, sich nicht an der Suche beteiligt hat. Der Indische Ozean ist das Gebiet der 7. Flotte, es gibt Schiffe wie die Glomar Explorer (deren weitaus fähigere Nachfolger wir nicht kennen), es gibt das weltweite Abhörsystem der NSA und das Unterwasserhorchsystem SOSUS und es gibt Späh-Satelliten, deren Auflösung inzwischen im Millimeter-Bereich liegt. Satellitenaufnahmen möglicher Wrackteile, in der Auflösung wie sie der Welt präsentiert wurden, sind eine Frechheit! Spionagesatelliten könnten die Serienummern auf Wrackteilen lesen und dies online übermitteln über Bandbreiten, die die 100 Gb/sek schon lange überschritten haben.

Wer bitteschön glaubt, dass ein in die Irre fliegendes Verkehrsflugzeug in einem Gebiet von vitalem Interesse für eine Weltmacht über acht Stunden unentdeckt und von niemandem beachtet dort herumfliegen kann? Ich nicht.

Leider gibt es keinen einzigen Beweis für dieses Szenario und wird auch nie einen geben, das liegt in der Natur der Sache.

R.I.P. MH370

 

 

Iraner im Nordatlantik

Wie das Strategie-Portal Stratfor meldet, sollen eine Fregatte und ein Versorgungsschiff der iranischen Marine am 8. Februar Richtung Nordatlantik ausgelaufen sein. Jawohl, es handelt sich nicht um einen Tippfehler: N O R D A T L A N T I K. Die Schiffe, die Fregatte „Sabalan“ und der Versorger „Kharg“, sollen eine 25.000 Seemeilen lange Reise ums Kap der Guten Hoffnung bis in den Nordatlantik nahe US-amerikanischer Hoheitsgewässer bewältigen.

Die Sabalan ist eine alte britische Fregatte vom Typ Vosper Mk5 und mit 1.540 Tonnen Verdrängung (zum Vergleich: die deutschen Fregatten vom Typ  F124 Sachsen-Klasse haben eine Verdrängung von 5.800 Tonnen) im internationalen Vergleich eine Nussschale von nicht einmal 95 Metern Länge. Das Schiff lief 1969 auf einer britischen Werft vom Stapel und ist eigentlich völlig ungeeignet für eine derart lange Reise. Selbst mit Unterstützung des Versorgers operiert die Sabalan auf dieser Reise weit außerhalb ihrer Möglichkeiten.

Und die lange Anreise ist ja nur der Anfang. Bei dem Gedanken, dass iranische Seeleute nach einer solchen Reise noch im Nordatlantik herumschippern – der auch heute noch britischen und amerikanischen Zerstörerfahrern zusetzt – kann einem schon schlecht werden. Der Nordatlantik hat Wellen und Witterungsbedingungen zu bieten, die weit außerhalb der Vorstellungskraft jedes iranischen Matrosen oder Seeoffiziers liegen. Nach spätestens einer Woche dürfte die iranische Mini-Flottille so fertig sein, dass sie in Seenot geraten wird.  Allerdings ist ohnehin fraglich, ob sie je ankommen wird. Die Sabalan war während des Iran-Irak-Krieges 1988 von einem US-Bomber angegriffen und bombardiert wurden. Dabei traf eine lasergelenkte Bombe die Sabalan so, dass ihr Kiel brach. Die US-Schiffe ließen danach zu, dass iranische Schlepper das zerstörte Schiff zurück in den Hafen schleppten, wo sie in den Folgejahren repariert wurde.

Für ein paar Schiffe mehr

USS George H.W. Bush (CVN 77)

Die USS George H.W. Bush (CVN 77) im Atlantik

Die Lage in Syrien lässt den USA offenbar doch keine Ruhe. Auf eine kurze Phase des Durchatmens nachdem die Vernichtung der C-Waffen auf den Weg gebracht schien, setzen die vereinigten Staaten jetzt doch wieder auf Stärke. Die 5. und die 6. US-Flotte – traditionell Hausherren zur See in arabischen Gewässern und dem Mittelmeer – erhalten veritable Verstärkung. Die US-Navy verlegt die  Carrier Strike Group (CSG) in den Zuständigkeitsbereich der 5. und 6. US-Flotte. Die USS George H. W. Bush (CVN 77) hat mit der CSG 2 Norfolk (Virginia) am heutigen Samstag Richtung Osten verlassen.

Ja, sicher: Drei Carrier Strike Groups in einer Weltregion machen noch keinen Krisenfall aber die nach wie vor dramatische Lage in Syrien scheint die US-Regierung doch dazu zu veranlassen, ihre Präsenz zu verstärken. Ein traditionell deutliches Zeichen an alle Akteure dort. Und in Zeiten, in denen die USA weniger Flugzeugträger im Dienst haben (genau: die USS Enterprise ist nicht mehr dabei) bekommt eine solche Geste eher mehr Gewicht denn weniger.  Honi soit, qui mal y pense …

Der Chemiewaffenangriff als Karte

Das Weiße Haus hat gestern in einer offiziellen Einschätzung der Geschehnisse in Damaskus ein Karte mit den durch den mutmaßlichen Chemiewaffenangriff betroffenen Stadtvierteln veröffentlicht. Die Grafik basiert auf Angaben aus oppositionellen Kreisen, von Menschenrechtlern und anderen unabhängigen Organisationen sowie auf von den USA nicht näher genannten „Humint, Imint and Sigint sources“ also Human Intelligence (Informationen durch Menschen), Imagery Intelligencs (Informationen durch Bilder aus Luft- und Satellitenaufnahmen) und Signal Intelligence (Informationen aus abgefangenen oder abgehörten Funk-, Telefon- oder anderen Gesprächen).

Karte-Damaskus

Die wichtigste Sigint-Quelle scheint ein abgefangenes Telefonat zwischen einem Mitglied des syrischen Verteidigungsministeriums und dem Leiter einer Chemiewaffen-Einheit zu sein wie das Magazin „Foreign Policy“ berichtet.  Zweifel daran, dass es die syrische Armee war, die Chemiewaffen eingesetzt hat, bestehen nach Ansicht des Weißen Hauses nahzu keine mehr. Betroffen waren ausschließlich von der Opposition gehaltene Stadtteile oder solche, die umkämpft sind. Humint-Quellen dürften vor allem das „Violations Documentation Center in Syria“ geliefert haben, das weithin als unabhängige und verlässliche Quelle gilt.

Welcher Kampfstoff eingesetzt worden ist, dürften die USA mittlerweile wissen. Wie das Blog „The Aviationist“ berichtete, wurde in den frühen Morgenstunden des 28. August ein US-Flugzeug vom Typ WC-135 C „Constant Phoenix“ über Südengland bei der Luftbetankung durch eine in RAF Mildenhall gestartete KC-135 beobachtet. Von dem Modell WC-135 C existieren nur zwei Maschinen. Sie sind auf dcer Offutt-Air-Force-Base stationiert und können durch das Sammeln von Luftproben mit hoher Sicherheit Nuklearexplosionen bestätigen. beide Flugzeuge waren Anfang des Jahres in der Nähe von Nordkorea stationiert, um dort Luftproben bei erwarteten Raketentests zu sammeln. Die Vermutung liegt nahe, dass die Flugzeuge auch Chemiewaffen nach Tage nach ihrem Einsatz anhand von Spurengasen in der Atmosphäre nachweisen können.

WC-135 in Eielson

Ein Militärschlag gegen syrische Einrichtungen, speziell Depots mit Massenvernichtungswaffen und Einheiten, die diese einsetzen können sowie gegen Kommando- und Kontrollzentralen scheint in den nächsten Tagen bevorzustehen.

Machtkampf in Nordkorea?

„Außer Spesen, nix gewesen“, mag man mit Blick auf den Verlauf der Krise um Nordkorea sagen. Nachdem ungefähr drei Wochen lang kein Tag vergangen ist, ohne dass neue Drohungen aus dem hermetischen Nordkorea kamen, ist nun seit fast zwei Wochen totale Funkstille. Auch die Medien haben, so scheint’s, das Thema mangels schlechter Neuigkeiten ad acta gelegt.

Was, so fragt man sich nun vielleicht, sollte das Ganze? Mal abgesehen davon, dass auch bizarre Potentaten wie Kim Jong Un nicht eine internationale Krise heraufbeschwören, nur weil das Frühstücksei zu hart gekocht war, waren vernünftige Thesen für die nordkoreanische Theateraufführung Mangelware. Hier nun eine, die mir recht wahrscheinlich scheint.

Mehrere Dinge fallen im Vorfeld und dem Verlauf der Krise auf:

1. Wenig außerhalb der Fachkreise beachtet, hat Kim Jong Un schon im vergangenen Jahr damit begonnen, Dutzende verdienter Militärs und Geheimdienstler ihrer Positionen zu entheben, zu degradieren und/oder aus dem Zentralkomitee zu werfen. Einen detaillierten Überblick dieses umfangreichen Revirements findet man  bei „38 North“.

2. Kim Jong Un hat auch sozialpolitisch und wirtschaftlich Reformen eingeleitet wie ebenfalls „38 North“ vermeldete.

3. Kim Jong Un will sich offenbar unbedingt von seinem schwachen Vater Kim Jong Il distanzieren und mit der Selbststilisierung in Richtung seines Großvaters Kim Il Sung an höhere Luftsschichten ankoppeln. Dies zeigt seine Politik, die mehr den großen Sprung seines Großvaters als das minimalistische Klein-Klein seines Vaters betont. Selbst in der Kleidung und dem Gestus eifert er Kim Il Sung nach: Während sein Vater gerne in bequemem DDR-Grenzer-Leibchen auftrat, zeigt sich Kim Jong Un stets in Anzug – klassisch oder Mao-Stil – und in langem schwarzem Wollmantel – eine deutliche Reminiszenz an Kim Il Sung. Selbst die Gesten kim Jong Uns zeigen beim Vergleich mit alten Fotos von Kim Il Sung eine bemerkenswerte Ähnlichkeit mit dem Großvater.

Kim_Il_Sung1940s

Kim Il Sung mit etwa 30 Jahren (aufgenommen in den 1940er Jahren)

Kim-Jong-Un-2012

Kim Jong Un (29) bei der Ansprache zum 100 Geburtstag von Kim Il Sung 2012

 

Warum also sollte ein Machthaber, der Reformen einzuleiten begonnen hat, der verdiente Hardliner degradiert oder an die frische Luft befördert hat und an ihre Stelle Reformer und Vertraute gesetzt hat und der innenpolitisch eine knallharte Politik der Machtkonsolidierung weit über das Niveau von Kim Jong Il betreibt, ohne Not eine außenpolitische Großkrise vom Zaun brechen?

Die Antwort gibt neben der deduktiven Logik auch das Blog „The War Room“ : In Nordkorea tobt ein Kampf um die Macht im Staate. Ausgetragen wird er vom Militär, das unter dem schwachen Kim Jong Il einen starken Machtzuwachs verzeichnen konnte und der zivilen Führung von Partei und Staat. Kim Jong Un muss zeigen, wer in Nordkorea die Hosen an hat. Das außenpolitische Getöse war vor allem nach innen gerichtet.

Über die weiteren Pläne des Polit-Youngsters lässt sich nur trefflich spekulieren. Eine derartige Machtkonsolidierung, verbunden mit der Entmachtung alter Militärs und des Geheimdienstes könnte sehr wohl die Vorbereitung zu einer umfassenden Reform Nordkoreas sein. Wer dort die herrschenden Verhältnisse tiefgreifend verändern will, muss die Herrschaft fest in Händen halten.