Der Pipeline-Plan

Warum Irans Drohung mit der Öl-Waffe sinnlos ist

Immer wieder droht Iran im Streit um sein Atomprogramm damit, im Falle eines israelischen oder US-amerikanischen Angriffs die Straße von Hormus zu blockieren. Viele westliche und nahöstliche Medien stoßen ins gleiche Horn und beschwören Bilder brennender Öltanker und einer Ölkrise im Westen herauf. Die Meerenge am Ausgang des Persischen Golfes ist das Nadelöhr, das alle Öltanker aus den Golfstaaten passieren müssen.

Aber die Ölwaffe ist stumpf. Längst hat Saudi-Arabien Vorkehrungen getroffen, die dafür sorgten, dass der Iran der einzige Geschädigte einer solchen Blockade wäre. Schon während des iranisch-irakischen Krieges in den 1980er Jahren hatte der Iran im so genannten „Tanker-Krieg“ irakische und kuwaitische Öltanker mit Schnellbooten und Kampfflugzeugen angegriffen. Seitdem hat Teheran die Inseln in und am Eingang der Straße von Hormus militärisch weiter ausgebaut und dort zudem nordkoreanische Cruise Missiles vom Typ Silkworm stationiert.

Das Nadelöhr
Zwischen der Nordspitze des Oman auf der arabischen Seite und der Hafenstadt Bandar Abbas auf iranischer Seite verengt sich der Persische Golf auf eine Breite von 60 Kilometern. Zahlreiche Inseln in der Meerenge von Hormus verringern die für Schiffe effektiv nutzbare Breite auf rund 20 Kilometer. Der Verkehr durch die Wasserstraße ist streng geregelt: Einfahrende wie ausfahrende Schiffe müssen einen eigenen, zwei Seemeilen (3,6 Kilometer) breiten, Korridor benutzen, beide Korridore sind durch eine zwei Seemeilen breite Pufferzone getrennt.

Aufgrund der geringen Meerestiefe sind Tanker in der Straße von Hormuz auf zwei schmale Korridore beschränkt

Pro Tag passieren etwa 16,5 Millionen Barrel (1 Barrel entspricht 159 Litern) Rohöl auf Tankern die Straße von Hormus. Das Öl stammt aus den Anrainerstaaten des Persischen Golfes, aus den Vereinigten Arabischen Emiraten (2 Mio. Barrel), Saudi-Arabien (8 Mio. Barrel), Kuwait (2 Mio. Barrel), Irak (2 Mio. Barrel) und Iran (2,5 Mio Barrel). Am Weltrohölbedarf von etwa 85 Millionen Barrel pro Tag stellt dies einen Anteil von mehr als 19 Prozent dar.

 

Das Problem

Der Großteil des Öls, das auf Schiffen durch die Meerenge transportiert wird, wird mit so genannten VLCCs (Very Large Crude Carrier) transportiert. VLCCs sind rund 350 Meter lange Supertanker mit einer Ladekapazität bis zu etwa 300.000 Tonnen. Größer als diese Schiffe sind nur noch ULCCs (Ultra Large Crude Carrier) mit Längen bis 458 Metern und einer Ladekapazität von 550.000 Tonnen. Allein die staatliche saudische Ölfirma ARAMCO besitzt 20 VLCCs und 5 ULCCs zum Transport des Rohöls.

Zwei VLCCs und drei SUEZMAX Tanker am Terminal von Yanbu

Die Supertanker sind mit ihrer gewaltigen Größe bei Geschwindigkeiten von höchstens 15 Knoten (27 Stundenkilometer) leichte Ziele für Raketen, Cruise Missilies und Torpedos. Zwar kann ein einzelner Treffer noch keinen Supertanker versenken, einem massiven Angriff hielte das Schiff jedoch nicht stand. Schon ein oder zwei Tanker, die havariert in der Straße von Hormus trieben, blockierten die Schiffspassage vollständig. Zudem hat Iran sämtliche Inseln in der Straße und im Golf selbst zu Cruise Missile-Basen ausgebaut und mit Bunkern überzogen. Selbst wenn Tanker im Konvoi und unter militärischer Bedeckung führen, wären sie in ständiger Gefahr.

Der Ausweg

Die Gefährdung der Straße von Hormus ist aber schon seit gut 30 Jahren allen beteiligten Regierungen bekannt. Auch der Ausweg aus dem Dilemma, zwar auf Unmengen Öl zu sitzen, es aber nicht exportieren zu können, ist längst gefunden. Allerdings legt Saudi-Arabien keinen gesteigerten Wert darauf, dass dies breitgetreten wird. In aller Stille hat das Wüstenkönigreich in den letzten 20 Jahren seine Pipeline-Kapazität ausgebaut. Grundlage war ein Strategiepapier von 1999 mit dem Titel An Alternative Pipeline Strategy in the Persian Gulf. Die gesamte saudische Ölproduktion und auch ein Teil der Produktion der anderen Golf-Anrainerstaaten kann im Falle eines Falles quer durch die saudische Wüste zum Roten Meer gepumpt werden. Dort schlummert in Gestalt des Hafens von Jenbo der größte Ölterminal auf Erden. Er stellt sozusagen ein weitgehend ungenutztes Duplikat der gesamten Exportinfrastruktur am Golf dar.

Petroline ans IPSA

Petroline und IPSA verlaufen parallel durch die arabische Halbinsel

Die in Ost-West-Richtung verlaufende Petroline hatte schon in den 1990er Jahren eine Kapazität von fünf Millionen Barrel pro Tag. Passend dazu konnten an den vier Tankvorrichtungen in Jenbo pro Tag knapp fünf Millionen Barrel verladen werden. Genutzt wurde und wird davon jedoch nur ein Bruchteil: Vermutlich nur 500.000 Barrel werden pro Tag in Jenbo verladen. Dennoch hat die Regierung in Riad den Hafen und die zugehörige Pipeline nach 1999 massiv ausgebaut. Durch die Petroline können nun rund 10 Millionen Barrel pro Tag gepumpt werden. Jenbo erhielt zwei zusätzliche Betankungsanlagen und kann nun pro Tag rund 7,5 Millionen Barrel Öl in VLCCs verladen.

Ein VLCC und ein AFRAMAX Tanker am Terminal von ras al Muajjiz

 

Trumpfkarte Irak

Hinzu kommt noch eine weitere Pipeline: Die „Iraqi Pipeline in Saudi Arabia“, kurz IPSA genannt. Die Pipeline hatte der Irak während des Krieges gegen den Iran in den 1980er Jahren gebaut. Sie verläuft vom irakisch-kuwaitisch-saudischen Grenzdreieck im Norden Saudi-Arabiens bis nördlich der saudischen Hauptstadt Riad, wo sie auf die saudische Petroline trifft. Von dort folgt IPSA der Petroline-Trasse bis zum Roten Meer und mündet gut 20 Kilometer südlich von Jenbo im Hafen von Ras Al Mu’ajjiz. Die Pipeline hatte ursprünglich eine Kapazität von 1,6 Millionen Barrel pro Tag. Auch sie wurde ausgebaut und kann nun 4 Millionen Barrel pro Tag befördern. Um sie selber nutzen zu können, ließ Saudi-Arabien zudem einen zusätzlichen Anschluss von IPSA an die zentrale saudische Pumpstation von Abqaiq bauen. Analog dazu erhielt der saudische Hafen von Mu’ajjiz eine weitere Füllstation für VLCCs.

Für den Fall einer Blockade der Straße von Hormuz könnte Saudi-Arabien damit kruzfristig auf eine Pipeline-Kapazität von rund elf Millionen Barrel pro Tag zurückgreifen. Dies übersteigt die gesamte saudische Ölproduktion von neun Millionen Barrel pro Tag, so dass sogar noch Öl aus anderen Golfstaaten mitgepumpt werden könnte. Auch der Irak verfügt noch über eine Alternative zum Seeweg: Von kurdisch-irakischen Kirkuk im Norden des Landes verläuft eine weitere Pipeline zuerst nach Norden auf türkisches Gebiet und von dort zum türkischen Mittelmeerhafen Ceyhan. Kapazität dieser Pipeline: 1,65 Millionen Barrel pro Tag.

Umleitung für die Vereinigten Arabischen Emirate

Auch die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) haben auf die permanente Bedrohung reagiert. In den 2010er Jahren haben die reichen Ölförderlländer am Persischen Golf selbst eine Pipeline gebaut. Sie führt von der Pumpstation Habshan im Westen Dubais quer durch die VAE und das Randgebirge im Osten an die Küste des Emirats Fujairah am Golf von Oman. Mit vier Millionen Barrel pro Tag kann die Pipeline die gesamte Ölproduktion der VAE zum Ölterminal von Fujairah transportieren.

Das zugehörige gigantische Tanklager in Fujairah hat eine Kapazität von 55 Millionen Barrel. Inzwischen exportieren die VAE ihre gesamte Produktion über Fujairah, weshalb sie die Drohung mit der Schließung der Straße von Hormuz ohnehin kalt lässt.

Two AFRAMAX at the Fujairah Terminal

Zwei AFRAMAX und ein Product Tanker am Fujairah Terminal

 

Katastrophe für den Iran

Insgesamt stünden somit im Fall einer Blockade von Hormus rund 14 Millionen Barrel Pipeline-Kapazität am Persischen Golf zur Verfügung. Bei einer Exportmenge von 14 Millionen Barrel pro Tag, die umgeleitet werden müsste, wären die Einbußen für alle beteiligten Staaten null. Nur eines der ölproduzierenden Länder am Persischen Golf hat keinen Anschluss an das Pipeline-Netz: Iran. Für die Regierung in Teheran bedeutete die Blockade der Straße von Hormus deshalb einen 100prozentigen Exportausfall.

Die Folgen wären drastisch: Schon nach einem Monat würde im Iran das Benzin knapp, weil das Land zwar Öl fördert, aber nicht genügend Raffineriekapazität hat, um seinen Spritbedarf zu decken. Iran ist deshalb ein Nettoimporteur von Benzin. Auch der Ausfall der Exporteinnahmen träfe das Land schwer, der Regierung in Teheran drohte über kurz oder lang der Bankrott, denn Öl ist der einzige nennenswerte Exportartikel des Landes und trägt mit 85 Prozent zum Staatshaushalt bei. Eine Blockade von Hormus wäre deshalb für den Iran gleichbedeutend mit wirtschaftlichem Selbstmord.

Werbeanzeigen

„… a little bit of history repeating“

„They say the next big thing is here, That the revolution’s near, But to me it seems quite clear, That it’s all just a little bit of history repeating“. Was aber haben Shirley Bassey und die Propellerheads mit dem Iran, Mahmud Ahmadinedschad und Esfandiar Rahim Mashaei zu tun? Vermutlich ebenso viel wie Wladimir Putin und Dmitri Medwedew. Die Story ist nämlich dieselbe: Ein Präsident, der abtreten muss, weil es die Verfassung so vorsieht, schiebt seinen besten Freund als Marionette Nachfolger vor, um selber weiter an den Strippen zu ziehen. Von Russland lernen, heißt siegen lernen, hat sich der kleine Ahmadindschihad vermutlich gedacht …

KKW Buschehr bald wieder am Netz

Das im Oktober vorübergehend stillgelegte Kernkraftwerk Buschehr wird bald wieder ans Netz gehen. Dies hat der Direktor der Atomenergieorganistaion von Iran, Fereydoon Abbasi, mitgeteilt. Das KKW war im Oktober stillgelegt worden, weil im Reaktordruckgefäß Bolzen und Schweißrückstände entdeckt worden waren, die, so Abbasi, zu „abnormalen Werten“ geführt hätten. Um die Baureste zu entfernen, mussten auch die Brennstäbe entnommen werden.

Dazu stellen sich zwei Fragen: 1. Wie lange waren die Brennstäbe bereits im Reaktor und welche Menge an Plutonium239 enthalten sie? 2. Werden alle entnommenen Brennstäbe wieder eingesetzt oder werden auch neue, bislang unbestrahlte Brennelemente, eingesetzt?

Hintergrund: Wenn die entnommenen Brennstäbe nicht zu lange bestrahlt wurden, könnte der Anteil an 239Pu hoch genug und die Verunreinigung mit 240Pu gering genug sein, um aus den Brennstäben bombenfähiges Plutonium mit einer Reinheit von 93 Prozent 239Pu oder besser, so genanntes „supergrade Plutonium“ zu gewinnen.

Iran bestätigt Waffenhilfe für Hamas

Iran hat erstmals öffentlich zugegeben, die palästinensische Terrororganisation Hamas mit Waffen zu versorgen. Allerdings bestreitet Teheran, die Fajr-5-Raketen geliefert zu haben, mit denen die Hamas Israel angegriffen hat. Man habe die Technologie an die Hamas geliefert, die diese Raketen nun selbst herstelle, erklärte der Oberkommandierende der Revolutionären Garden, General Mohammad Ali Jafari der iranischen Nachrichtenagentur ISNA. Dies berichtet das Blog „The Great Day of Annihilation“ unter Verweis auf Russia Today.

Wie weit diese Behauptung der Wahrheit entspricht, lässt sich nicht feststellen. Die Fajr-5 ist im internationalen Vergleich zwar ein anspruchsloses Raketenmodell, aber definitiv nichts, was sich in Hinterhofwerkstätten im gazastreifen in handarbeit herstellen ließe.

Neue Raketenlieferung für Hamas?

Der russische Fernsehsender Russia Today hat unter Berufung auf die israelische Seite DEBKAfiles gemeldet, ein iranischer Frachter mit 50 zerlegten Fajr-5-Raketen sei auf dem Weg nach Gaza. Der – eher kleine – 150-Tonnen-Frachter sei am Sonntag, den 18. November aus Bandar Abbas aufgebrochen. Das Schiff, so DEBKA, sei die „Vali-e Asr“ der staatlichen iranischen Reederei. Es habe jedoch bald nach Verlassen des Hafen seinen Namen auf  „Cargo Star“ mit Heimathafen Tuvalu geändert (ein Check bei Marinetraffic verlief jedoch ergebnislos). Das Schiff soll im Meer vor Port Sudan von vier Booten erwartet werden, auf die die Fracht umgeladen werden soll. Von dort sollen die Raketenteile entweder im Sudan eingelagert oder über ägyptische Schmuggelboote weiter in den Sinai gebracht und dort über die „Tunnel-Grenze“ in den Gazastreifen geschmuggelt werden. Vorsicht ist jedoch bei der Quelle dieser Informationen angebracht: DEBKAfiles gilt als PR-Postille des Mossad.

Die Fajr: Ein Gruß aus Teheran

Israel hat bei Angriffen im Gazastreifen mehrere Depots der Hamas für iranische Raketen zerstört. Die offenbar erst kürzlich von der Hamas erworbenen Raketen vom Typ Fajr-5 haben die Terrororganisation erstmals seit Beginn des Krieges in die Lage versetzt, die israelische Hauptstadt Tel Aviv direkt treffen zu können.

Ein von der Israelischen Armee am Tag der ersten Angriffe auf Youtube verbreitetes Video soll Hamas-Mitglieder dabei zeigen, wie sie eine iranische Fajr-5-Rakete von einem Lastwagen in eine unterirdische Feuerstellung verladen. Die 1000 Kilogramm schwere und sechseinhalb Meter lange Rakete kann einen 90 Kilogramm schweren Sprengkopf 75 Kilometer weit befördern.

Der Besitz der Fajr-5 bedeutet für die Hamas eine gänzlich neue Qualität im Kampf gegen Israel. Zwar besitzt auch die im Libanon operierende Hisbollah Raketen dieses Typs, sie war aber bislang aufgrund der Entfernung zu Tel Aviv nicht in der Lage, mit diesen Raketen die israelische Hauptstadt zu treffen. Vom Gazastreifen hingegen wäre dies möglich. Statt der vergleichsweise dünn besiedelten israelischen Gebiete um den Gazastreifen wäre damit der Großraum Tel Aviv bedroht gewesen, ein Ballungsgebiet mit mehr als 3,2 Millionen Einwohnern.

Fajr-5 Made in Sudan

Behauptungen der Hamas, sie stelle die Fajr-5 selbst her, sind wenig glaubhaft. Die Rakete ist zwar ein eher einfaches Design aus chinesischer Produktion in den 1990er Jahren, dennoch ist sie für die technischen Fähigkeiten der Hamas bei weitem zu anspruchsvoll. Viel wahrscheinlicher ist, dass Iran die Produktion der Raketen für Exportzwecke ausgelagert hatte und zwar nach Sudan. Dort war im Oktober bei Khartoum der Fabrikkomplex Jarmuk von unbekannten Kampfflugzeugen bombardiert worden und eindrucksvoll explodiert. Die sudanische Regioerung hatte Isarel beschuldigt, aber keine Angaben über die Art der in der Fabrik produzierten Waffen gemacht. Die Sudan-Connection besteht offenbar schon länger: 2009 hatte israelische Kampflugzeuge einen Konvoi von 17 LKW mit Waffen aus Sudan Richtung Gazastreifen bombardiert, 2011 griffen israelische Kampfjets einen Einkäufer der Hamas bei Port Sudan an und töteten ihn.

Offiziell: Deutsche Patriots in die Türkei

Jetzt ist es offiziell: Deutsche Patriot-Batterien für die Türkei.

Dies hatte sich ja schon vor zwei Wochen angedeutet, als die Nachricht von der Anforderung die Runde machte. Fragt sich nur noch, welchem Zweck sie dienen sollen. Auch bis heute hat Syrien die Türkei weder mit Kampfflugzeugen noch mit ballistischen Raketen angegriffen.
Damit bleibt die Spekulation, dass die Patriots anfliegende iranische Shahab-3 abwehren sollen, falls die USA den Iran angreifen und dieser mit Raketen Vergeltung üben will. Es nährt auch die Spekulation, die Isarelis könnten bei einem eigenen Angriff die Nordroute entlang der syrisch-türkischen Grenze nehmen.