Raketen-Abwehrschirm am Golf

Die USA und die mit ihnen verbündeten Anrainerstaaten am Persischen Golf wollen den letzten Schritt zu einem vollständigen Abwehrschirm für iranische Raketen machen: Nach Meldungen der Nachrichtenagentur Reuters wollen die USA dem Emirat Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten das THAAD-Raketenabwehrsystem verkaufen. Der Rüstungsdeal im Wert von 7,6 Milliarden US-Dollar dürfte den Schlussstein für ein regionales Raketenabwehrnetz darstellen.

Die „Terminal High-Altitude Area Defense“ (THAAD) besteht aus mehreren Startern für Raketen und einem phasengesteuerten AN/TPY2-Radar. Die achtfach schallschnellen Raketen eignen sich zur exoatmosphärischen Abwehr anfliegender Kurz- und Mittelstreckenraketen und zerstören ihr Ziel durch den Rammstoß mit einem kinetischen Gefechtskopf. Das THAAD-System ist vernetzt mit dem seegestützten Aegis-Abwehrsystem, dem zur Punktverteidigung bestimmten Patriot-System und ist über Link16 mit sämtlichen Teilen des weltweiten US-amerikanischen Verteidigungsnetzes gegen ballistische Raketen verbunden.

Laut Reuters soll Katar zwei THAAD-Batterien mit zusammen zwölf Startern und 150 Raketen erhalten, die VAE erhalten neun Starter und 48 Raketen. Derzeit ist in Katar, auf der US-amerikanischen Luftwaffenbasis Al-Udeid, bereits eine THAAD-Batterie stationiert. Auf dem Gelände der Luftwaffenbasis Al-Dhafra in den VAE sind die Vorbereitungen zum Aufbau einer weiteren THAAD-Batterie abgeschlossen. Ob dort das von der Regierung der VAE gekaufte System stationiert werden soll oder ob es sich um eine weitere US-Einrichtung handelt, ist unklar.

 

UPDATE und Bestätigung:
Hier das offizielle Papier zur Meldung der Defense Security Cooperation Agency DSCA der USA. Zum Paket gehört auch ein nicht näher spezifiziertes Early Warning Radar (EWR).

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Irans Atomanlagen: Die Angriffs-Anzeichen verdichten sich

David Rothkopf, ein früherer Mitarbeiter der Clinton-Regierung hat jetzt offen ausgesprochen, was sich seit längerem andeutet: Die USA und Israel planen einen begrenzten Angriff auf die Uran-Separationsanlagen in Iran.

Militärisch sagt Rothkopf nichts Neues: Israel sei nicht in der Lage, allein Bomben mit der nötigen Durchschlagskraft ins Ziel zu bringen, der Angriff würde mit bemannten Luftfahrzeugen und Drohnen geführt und soll im Idealfall wenige Stunden und ungünstigstenfalls „einige Tage“ dauern.

Auch der Hinweis, dass ein begrenzter Militärschlag für Obamas Regierung politisch am ehesten zu verkraften sei, ist nicht neu. All diese Zutaten sind bekannt. Die immer rührige WWW-Gerüchteküche bringt allerdings etwas Schärfe in das Menü: Noch vor den US-Wahlen im November soll danach der Angriff erfolgen.

Das könnte auch Israels Ministerpräsident Netanjahu ins Konzept passen. Der sonnt sich gerade in guten Umfragewerten und plant deshalb, die Parlamentswahlen in Israel auf Anfang 2013 vorzuverlegen. Da würde ein erfolgreicher Schlag gegen Iran gut ins Konzept passen. Und er könnte auch die Scharte auswetzen, die er sich mit seinem wenig erfolgreichen Auftritt vor der UN-Vollversammlung eingehandelt hatte.

Keine Dollar in Teheran

Sämtliche Wechselstuben in Teheran haben den Verkauf von US-Dollar eingestellt, berichtet das Blog Uskowi on Iran. Auf Druck der Regierung sollte der Wechselkurs des iranischen Rial zum US-Dollar auf 28.000 zu eins festgeschrieben werden, was allerdings deutlich über der letzten freien Notierung von 35.000 zu eins liegt.

US-Kampfflugzeuge gen Nahost

Eine ganze Reihe von Verlegungen von Kampfflugzeugen Richtung Naher Osten und keine offiziellen Erklärungen dazu:

  • September 2012: AC-130U, MC-130H und HC-130N und P werden aus den USA in den Mittelmeerraum verlegt.

Inzwischen ist auch Stratfor wachgeworden, wie üblich ein bißchen später …

Iraner am Südpol

Ja, es gibt nicht nur Schweine im Weltall, sondern auch Iraner am Südpol. Da jedenfalls will die iranische Marine hin. „Wir können die Flagge Irans in den verschiedensten Regionen, vom Nordpol bis zum Südpol, hissen und wir bereiten Pläne für eine Präsenz nahe dem Südpol vor“, erklärte der iranische Marinekommandeur Konteradmiral Habibollah Sayyari am Freitag vergangener Woche. Es sei das Recht Irans, in allen internationalen Gewässern Flagge zu zeigen.

Nun scheint Geographie nicht unbedingt die Stärke des Admirals zu sein. Da der Südpol auf einer riesigen Landmasse liegt und selbst unter günstigsten Umständen deutlich weiter als 1000 Kilometer vom nächsten offenen Wasser entfernt ist, dürfte es der iranischen Marine schwer fallen, ihm nahe zu kommen, es sei denn, eine Distanz von 1000 Kilometern entspricht der iranischen Auffassung von „Nähe“.

Wie dem auch sei, wir wünschen der iranischen Marine gute Heizungen an Bord ihrer Schiffe, deren größtes eine Korvette – genannt Zerstörer – ist. Und nehmt warme Unterhosen mit, Jungs …

Flotten-Bericht 1/2012

Spätestens seit den jüngsten Deployments US-amerikanischer Flugzeugträger sollte jedem klar sein, dass der maritime Aufmarsch am Persischen Golf ernst gemeint ist, sehr ernst. Von den elf Flugzeugträgern, über die die USA verfügen, liegen vier in der Werft und ein fünfter, die USS Enterprise, soll im Dezember außer Dienst gestellt werden. Obwohl damit die Decke sehr dünn ist, werden seit Anfang des Jahres und bis auf weiteres offenbar ständig zwei Flugzeugträgergruppen im oder am Persischen Golf stationiert.

Um diesen Aufmarsch trotz vier und bald fünf fehlender Flattops aufrechtzuerhalten, gehen die USA neue Wege: Die bislang und seit Jahren gültige Einsatzdauer der Träger von sechs Monaten wurde ohne viel Aufhebens auf acht bis neun Monate verlängert. Ein Schritt, der viele Kenner der Materie erstaunte, der ebenso ungewöhnlich wie materialmordend ist, ganz zu schweigen von dem Preis, den die Besatzungen der Schiffe und ihre Familien zahlen müssen.
Seit Januar dieses Jahres schwimmt stets eine Trägerkampfgruppe, bestehend aus einem Flugzeugträger und vier bis fünf Aegis-Luftabwehrkreuzern, im Persischen Golf und eine in der Arabischen See. Der Wechsel zwischen beiden Meeresregionen erfolgt ungefähr monatlich: verlässt die eine Trägergruppe den Golf, setzt die andere Kurs und durchquert die Straße von Hormuz in der Gegenrichtung. Auch für die nächsten Monate wird diese Konstellation aufrechterhalten werden, dies lassen die bislang bekanntgewordenen Stationierungsintervalle als Prognose zu.

Aegis-BMD

Auffällig ist auch ein weiterer Umstand. War es bis letztes Jahr so, dass in der Aegis-Bedeckung der Trägergruppen nicht immer, aber recht häufig auch mindestens ein Aegis-Schiff war, dass in der Lage war Ballistic Missile Defense (BMD) zu betreiben, so hat sich dies vollständig geändert. Sämtliche BMD-fähigen Aegis-Schiffe sind seit Januar dieses Jahres auf Einzelmissionen unterwegs. Stets kreuzen zwei Schiffe im östlichen Mittelmeer, drei bis vier sind immer im Persischen Golf, vier Schiffe sichern Ostasien. Unter den Aegis-Schiffen, die die Träger begleiten, findet sich hingegen kein einziges mehr, das in der Lage wäre, ballistische Raketen abzuwehren.

Cruise Missile-U-Boote

Ebenso auffällig ist eine deutliche Disparität bei den im Einsatz befindlichen U-Booten. Von den Jagd-U-Booten der Los-Angeles-Klasse  sind weit überwiegend nur Boote der Improved-Version und aus dem zweiten Baulos (Flight II) im Einsatz, die über ein Vertical Launching System (VLS) zum getauchten Start von Cruise Missiles verfügen. Derzeit sind mindestens elf Los-Angeles-Boote im Einsatz, davon aber nur drei des ersten Bauloses, die über kein VLS verfügen. Hinzu kommen mindestens zwei Boote der Virginia-Klasse, ebenfalls mit so genannten TLAMs (Tactical Land Attack Missiles) vom Typ Tomahawk und einem VLS ausgerüstet. Zum Hintergrund: Es gibt ebenso viele Flight I-Boote der Los-Angeles-Klasse ohne VLS (31 Stück) wie Boote der Improved-Los-Angeles-Klasse und des Flight II zusammen (ebenfalls 31).

Auch die USS Florida, ein ehemaliges Trident-Raketenboot der Ohioklasse, das zum Tomahawk-Träger umgerüstet wurde, befindet sich im Indischen Ozean. Mitte August wurde sie in Diego Garcia gesichtet, wo sie zur Halbzeit ihres 13-Monats-Einsatzes einen kompletten Crew-Wechsel vornahm. Während des Aufstandes in Libyen Anfang des Jahres feuerte die Florida wenigstens 90 TLAMs aus dem Mittelmeer gegen Ziele der Regierung Gaddafi. Insgesamt haben die zu Cruise-Missile-Booten umgebauten Ohio-Schiffe jeweils 154 Tomahawks an Bord. Die Florida dürfte ihre Bestände ziemlich sicher bei einem Besuch auf der Heimatbasis Kings Bay im Mai dieses Jahres wieder aufgefüllt haben.
Minensucher verdoppelt

Auch die Zahl der Minensuchschiffe, die permanent am Persischen Golf stationiert sind, hat sich seit dem Frühjahr auf acht Schiffe verdoppelt. Alle sind in Manama, in Bahrain stationiert. Hinzu kommt ein unbekannte Anzahl an britischen Minensuchern, die in den letzten Monaten in oder an den Golf verlegt wurden.