Iran bestätigt Waffenhilfe für Hamas

Iran hat erstmals öffentlich zugegeben, die palästinensische Terrororganisation Hamas mit Waffen zu versorgen. Allerdings bestreitet Teheran, die Fajr-5-Raketen geliefert zu haben, mit denen die Hamas Israel angegriffen hat. Man habe die Technologie an die Hamas geliefert, die diese Raketen nun selbst herstelle, erklärte der Oberkommandierende der Revolutionären Garden, General Mohammad Ali Jafari der iranischen Nachrichtenagentur ISNA. Dies berichtet das Blog „The Great Day of Annihilation“ unter Verweis auf Russia Today.

Wie weit diese Behauptung der Wahrheit entspricht, lässt sich nicht feststellen. Die Fajr-5 ist im internationalen Vergleich zwar ein anspruchsloses Raketenmodell, aber definitiv nichts, was sich in Hinterhofwerkstätten im gazastreifen in handarbeit herstellen ließe.

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Neue Raketenlieferung für Hamas?

Der russische Fernsehsender Russia Today hat unter Berufung auf die israelische Seite DEBKAfiles gemeldet, ein iranischer Frachter mit 50 zerlegten Fajr-5-Raketen sei auf dem Weg nach Gaza. Der – eher kleine – 150-Tonnen-Frachter sei am Sonntag, den 18. November aus Bandar Abbas aufgebrochen. Das Schiff, so DEBKA, sei die „Vali-e Asr“ der staatlichen iranischen Reederei. Es habe jedoch bald nach Verlassen des Hafen seinen Namen auf  „Cargo Star“ mit Heimathafen Tuvalu geändert (ein Check bei Marinetraffic verlief jedoch ergebnislos). Das Schiff soll im Meer vor Port Sudan von vier Booten erwartet werden, auf die die Fracht umgeladen werden soll. Von dort sollen die Raketenteile entweder im Sudan eingelagert oder über ägyptische Schmuggelboote weiter in den Sinai gebracht und dort über die „Tunnel-Grenze“ in den Gazastreifen geschmuggelt werden. Vorsicht ist jedoch bei der Quelle dieser Informationen angebracht: DEBKAfiles gilt als PR-Postille des Mossad.

Iron Dome Produzent macht Überstunden

Der israelische Hersteller des Raketenabwehrsystems Iron Dome, Rafael Defence Works, arbeitet jetzt in 24-Stunden-Schichten. Wie Unternehmenssprecher im Internet-Dienst Defence News mitteilten, werde jetzt im Dreischichtsystem auch am Wochenende gearbeitet, um dem Bedarf nach weiteren Iron-Dome-Einheiten nachzukommen. Am vergangenen Wochenende wurde eine fünfte Batterie bei Tel Aviv aufgestellt. Mit Hochdruck wird nun an der so genannten „Block 2“-Verbesserung dieser Batterie gearbeitet.  Damit soll vor allem die Fähigkeit von Iron Dome verbessert werden, auf ganze Raketensalven zu reagieren. Möglich gemacht hat diesen Rush offenbar eine Zahlung von 205 Millionen US-Dollar aus Washington.

Bodenoffensive 2.0

Den israelischen Luftangriffen auf Raketenstellungen und Depots der Hamas im Gazastreifen wird bald eine Bodenoffensive folgen, sind sich Experten sicher. Nach fünf Tagen Bombardement dürfte sie unmittelbar bevorstehen. Fachleute des Strategie-Portals „Stratfor“ haben in ihrer Analyse „Considering an Israeli Ground Assault in Gaza“ die israelische Bodenoffensive von 2008/2009 unter die Lupe genommen und potenzielle Brennpunkte für eine Neuauflage aufgezeigt.

Im Rahmen der „Operation Gegossenes Blei“ hatte Israel im Dezember 2008 mit Luftangriffen auf den Gazastreifen begonnen, um Raketenstellungen und Depots der Hamas zu zerstören. Nach sieben Tagen Bombardement gingen die israelischen Streitkräfte dann zu einer Bodenoperation über, um mit Panzern, Infanterie, Artillerie und Kampfhubschraubern Hamas-Fabrikationsstätten und Tunnel zu zerstören. Zuvor hatte sie der Hamas ein 48-stündiges Ultimatum gestellt, aber bereits nach 24 Stunden angegriffen, was die Hamas völlig überraschte.

Operation „Gegossenes Blei“ 2008/2009

Die Operation Gegossenes Blei bestand aus zwei Teilen: Einer ersten, sieben Tage dauernden Phase von Luftschlägen, die Ende Dezember 2008 begannen und einer zweiten Phase von Bodenoperationen, die ab Anfang Januar 2009 rund drei Wochen dauerte. Während der Luftangriffe zog Israel mehr als 20.000 Soldaten mit Panzern, gepanzerten Fahrzeugen und Artillerie in Bereitstellungsräumen am Gazastreifen zusammen.

Diese Truppen stießen dann in zwei Keilen in den Gazastreifen vor und teilten ihn in zwei Hälften. Die südliche Kampfgruppe übernahm die Aufgabe, den wichtigen Highway 4 nahe Rafah zu blockieren und Gaza-Stadt vom Nachschub aus dem Süden abzuschneiden. Mit Luftschlägen und Seebeschuss belegten israelische Streikräfte die „Philadelphi Route“ an der Grenze zwischen Gaza und Ägypten. Die nördliche Kampfgruppe stieß nördlich und südlich von Gaza-Stadt vor und trennte die Stadt damit vom Rest des Landes. Nachrückende Truppen übernahmen dann die Zerstörung aller militärischen Einrichtungen der Hamas. Dabei vermied es die israelische Armee, in die jeweiligen Stadtzentren vorzustoßen.

Operation 2012

Auch eine Neuauflage dürfte wesentliche Elemente der „Operation Gegossenes Blei“ übernehmen, da diese als großer Erfolg gilt und ähnliche Ziele hatte. Es gibt allerdings zwei wesentliche Unterschiede. 2009 hatte die ägyptische Armee die südliche Grenze des Gazastreifens bei Rafah mit eigenen Truppen geschlossen. Dieses Mal ist damit nicht zu rechnen. Tatsächlich hat Ägypten sogar angekündigt, die Grenze offen zu halten. Für die Isarelis bedeutete dies, dass sie eventuell die südliche Grenze zu Ägypten mit Truppen selbst verschließen müssen, was mehr Bodentruppen erforderte. Und es bedeutete auch, dass israelische Truppen bis auf wenige hundert Meter an ägyptische Kampfverbände heranrückten.

Israelische Armee mobilisiert
Israel hat lauf Presseberichten rund 16.000 Reservisten einberufen, insgesamt, so wird kolportiert, sollen sogar bis zu 75.000 einberufen werden. Dies lässt auch Rückschlüsse auf den Umfang der vermuteten Bodenoffensive zu, die weit größer ausfallen dürfte als 2009. Bei der Bodenoperation im Januar 2009 waren deutlich weniger, nämlich nur rund 6.500 Reservisten einberufen worden.

Der zweite Unterschied ist die Größe des abzuschneidenden Gebietes im Norden um Gaza-Stadt. Wegen der größeren Reichweite der von der Hamas gegen Tel Aviv eingesetzten iranischen Fajr-5-Raketen müsste eine Abriegelung Gazas viel weiter südlich erfolgen. Schätzungen zufolge müssten sämtliche Fajr-Feuerstellungen bis südlich der Stadt Nuseirat bekämpft werden. Das Operationsgebiet für die israelischen Streitkräfte wäre damit mehr als doppelt so groß und erforderte naturgemäß den Einsatz von mehr Soldaten als beim letzten Mal.

Neue Taktik, neue Überraschung

Bei der Operation 2009 schufen sich die israelischen Streitkräfte unterstützt von umfangreichen Pionierverbänden eigene Zugänge zum Gazastreifen abseits der üblichen Übergänge. Der Grund dafür war, genau jene Routen zu vermeiden, auf denen die Hamas die israelische Armee erwartet hatte und die sie deshalb mit Minen und Sprengfallen gepflastert hatte. Auch bei einem erneuten Vorstoß in den Gazastreifen dürfte die israelische Armee diese Taktik verwenden. Nur die Antwort der Hamas ist ungewiß: Die Fehler, die sie beim letzten Mal gemacht hat, dürfte sie dieses Mal nicht mehr begehen.

Entscheidend für den israelischen Vorstoß war 2009 neben einer Unterstützung durch punktgenaue Artillerie vor allem die Luftnahunterstützung durch Kampfhubschrauber und Kampfjets, die ständig über Gaza präsent waren um sofort eingreifen zu können. Bislang unbestätigte Berichte sprechen jedoch davon, dass die Hamas inzwischen im Besitz von schultergestützten Luftabwehrraketen ist. Dies bedeutete eine deutliche Einschränkung von Luftunterstützung beim Vorstoß mit Panzerfahrzeugen und Infanterie für die Israelis. Eine geeignete Antwort auf diese Bedrohung wäre auch hier der Einsatz stärkerer Bodenkräfte als 2009.

Die Fajr: Ein Gruß aus Teheran

Israel hat bei Angriffen im Gazastreifen mehrere Depots der Hamas für iranische Raketen zerstört. Die offenbar erst kürzlich von der Hamas erworbenen Raketen vom Typ Fajr-5 haben die Terrororganisation erstmals seit Beginn des Krieges in die Lage versetzt, die israelische Hauptstadt Tel Aviv direkt treffen zu können.

Ein von der Israelischen Armee am Tag der ersten Angriffe auf Youtube verbreitetes Video soll Hamas-Mitglieder dabei zeigen, wie sie eine iranische Fajr-5-Rakete von einem Lastwagen in eine unterirdische Feuerstellung verladen. Die 1000 Kilogramm schwere und sechseinhalb Meter lange Rakete kann einen 90 Kilogramm schweren Sprengkopf 75 Kilometer weit befördern.

Der Besitz der Fajr-5 bedeutet für die Hamas eine gänzlich neue Qualität im Kampf gegen Israel. Zwar besitzt auch die im Libanon operierende Hisbollah Raketen dieses Typs, sie war aber bislang aufgrund der Entfernung zu Tel Aviv nicht in der Lage, mit diesen Raketen die israelische Hauptstadt zu treffen. Vom Gazastreifen hingegen wäre dies möglich. Statt der vergleichsweise dünn besiedelten israelischen Gebiete um den Gazastreifen wäre damit der Großraum Tel Aviv bedroht gewesen, ein Ballungsgebiet mit mehr als 3,2 Millionen Einwohnern.

Fajr-5 Made in Sudan

Behauptungen der Hamas, sie stelle die Fajr-5 selbst her, sind wenig glaubhaft. Die Rakete ist zwar ein eher einfaches Design aus chinesischer Produktion in den 1990er Jahren, dennoch ist sie für die technischen Fähigkeiten der Hamas bei weitem zu anspruchsvoll. Viel wahrscheinlicher ist, dass Iran die Produktion der Raketen für Exportzwecke ausgelagert hatte und zwar nach Sudan. Dort war im Oktober bei Khartoum der Fabrikkomplex Jarmuk von unbekannten Kampfflugzeugen bombardiert worden und eindrucksvoll explodiert. Die sudanische Regioerung hatte Isarel beschuldigt, aber keine Angaben über die Art der in der Fabrik produzierten Waffen gemacht. Die Sudan-Connection besteht offenbar schon länger: 2009 hatte israelische Kampflugzeuge einen Konvoi von 17 LKW mit Waffen aus Sudan Richtung Gazastreifen bombardiert, 2011 griffen israelische Kampfjets einen Einkäufer der Hamas bei Port Sudan an und töteten ihn.

Irans Atomanlagen: Die Angriffs-Anzeichen verdichten sich

David Rothkopf, ein früherer Mitarbeiter der Clinton-Regierung hat jetzt offen ausgesprochen, was sich seit längerem andeutet: Die USA und Israel planen einen begrenzten Angriff auf die Uran-Separationsanlagen in Iran.

Militärisch sagt Rothkopf nichts Neues: Israel sei nicht in der Lage, allein Bomben mit der nötigen Durchschlagskraft ins Ziel zu bringen, der Angriff würde mit bemannten Luftfahrzeugen und Drohnen geführt und soll im Idealfall wenige Stunden und ungünstigstenfalls „einige Tage“ dauern.

Auch der Hinweis, dass ein begrenzter Militärschlag für Obamas Regierung politisch am ehesten zu verkraften sei, ist nicht neu. All diese Zutaten sind bekannt. Die immer rührige WWW-Gerüchteküche bringt allerdings etwas Schärfe in das Menü: Noch vor den US-Wahlen im November soll danach der Angriff erfolgen.

Das könnte auch Israels Ministerpräsident Netanjahu ins Konzept passen. Der sonnt sich gerade in guten Umfragewerten und plant deshalb, die Parlamentswahlen in Israel auf Anfang 2013 vorzuverlegen. Da würde ein erfolgreicher Schlag gegen Iran gut ins Konzept passen. Und er könnte auch die Scharte auswetzen, die er sich mit seinem wenig erfolgreichen Auftritt vor der UN-Vollversammlung eingehandelt hatte.

Bibis Bombe

Benjamin Netanjahu vor der UNO-Vollversammlung

Benjamin Netanjahu vor der UNO-Vollversammlung

Auf der UN-Vollversammlung hat Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu am 27. September seinem Hauptanliegen, der Warnung vor einem Atomwaffenstaat Iran, den vermutlich größten Bärendienst ever erwiesen. Die Grafik einer Bombe, die verdächtig an Sprengsätze aus Slapstickfilmen erinnerte, mutete derart bescheuert an, dass die meisten Menschen offenbar abgeschaltet hatten. Nur so ist zu erklären, warum das, was „Bibi“ zu sagen hatte, vollkommen untergegangen ist.

Denn die Aufregung der Israelis ist berechtigt: Der Iran hat schon sehr bald mehr als 90 Prozent des Weges zur Atombombe zurückgelegt!
Warum das so ist, erläutert das Arms Control Wonk. Eine kurze Zusammenfassung  lautet in etwa so:

Die „Anreicherung“ von Uran ist eigentlich ein Separationsvorgang, hier wird nichts hinzugefügt, wie der Terminus „anreichern“ suggeriert, sondern etwas weggenommen. Genauer gesagt wird das als Isotopengemisch vorliegende Uran in wertloses 238U und „wertvolles“ – weil als Bombenstoff gewünschtes – 235U getrennt. Gestartet wird mit Natururan, das zu 99,3 Prozent aus 238U und nur zu 0,7 Prozent aus 235U besteht. Einfacher ausgedrückt: Wenn die Gesamtmenge des Gemischs 1000 Atome beträgt, dann sind davon 993 Atome 238U, das für eine Bombe unbrauchbar ist und 7 Atome 235U.

Jagt man das Ganze nun immer wieder durch Zentrifugen, bei denen 238U abgeschieden wird, so steigt der Anteil von 235U-Atomen am Gemisch prozentual an,  während zugleich die Gesamtmenge natürlich abnimmt, weil 238U-Atome rauszentrifuguert werden. Bei einem so genannten „Anreicherungsgrad“ von 5 Prozent 235U im Gemisch, wie er typischerweise für den Kernbrennstoff von Druckwasserreaktoren benötigt wird, hat  sich das Verhältnis der Atome zwischen 235U und  238U auf 7 : 140 (5 Prozent) geändert. Oder anders ausgedrückt: Von den 993 unbrauchbaren 238U-Atomen wurden bereits 853 abgeschieden. Damit ist bereits 70 Prozent der gesamten Separationsarbeit auf dem Weg zu waffentauglichem 235U geleistet.

Wird das vorliegende Gemisch dann auf einen Gehalt von 20 Prozent 235U „angereichert“, verschwinden von den vormals 140 Atomen 238U noch einmal 105 Atome, so dass das Verhältnis 235U zu 238U nun 7 : 35 beträgt. Damit ist dann 90 Prozent der gesamten Separationsarbeit geleistet.

Im letzten Schritt der Hochanreicherung auf 90prozentiges U235 müssen von den 35 verbliebenen 238U-Atomen nur noch 34 herauszentrifugiert werden. Und dieser letzte Schritt braucht auch keine riesigen Anlagen mehr wie etwa in Natanz oder Fordow. Dazu reicht ein größeres Labor, das sich gut verstecken und tief verbunkern lässt.

Die jüngste Aufregung um das iranische Atomprogramm kommt also nicht von ungefähr.

Nach dem neuesten Bericht der IAEO vom August 2012 besitzt Iran derzeit 6876 kg auf 5 Prozent 235U angereichertes Material und 189,4 kg auf 20 Prozent 235U angereichertes Material. Die so genannte „single quantity“ (ausreichend für den Bau einer Bombe) liegt bei ungefähr 260 kg auf 20 Prozent 235U angereichertem Material, aus dem sich dann etwa 26 bis 28 kg 90prozentiges 235U gewinnen ließen.