Koinzidenz

Am 2. Juni 1967 starb der Student Benno Ohnesorg durch die Kugel des Polizisten Karl-Heinz Kurras. Ohnesorg nahm an einer Demonstration gegen den Schah von Persien teil, der Deutschland besuchte. Ohnesorg verhielt sich friedlich und wurde von Kurras aus nächster Nähe erschossen. Neue Ermittlungen ergaben 2009, dass Kurras 1967 inoffizieller Mitarbeiter des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit gewesen war. Sie ergaben außerdem, dass er auf Ohnesorg ohne Auftrag, unbedrängt und wahrscheinlich gezielt geschossen hatte.

Das Foto des sterbenden Benno Ohnesorg ging um die Welt. Es wurde eine Ikone der 68er Bewegung, ein Symbol für den Obrigkeitsstaat, der alle tötet, die gegen die herrschenden Verhältnisse protestieren. Das Bild, gänzlich uninszeniert, aber hat einen Vorläufer, der ihm bis auf die Einzelheiten der Personen gleicht:

 

Benno-Ohnesorg-klein Kreuzabnahme

 

Die Kreuzabnahme Jesu Christi (hier: Raffael, Baglioni-Altar, Haupttafel)

 

SPIEGELeien

Heute macht der SPIEGEL oder genauer gesagt SPON mit Panik auf: „USA schicken zweiten Flugzeugträger nach Korea“ titeln die Hamburger. Allerdings ist das ein falscher Alarm. Die USS Ronald Reagan hat planmäßig ihre viermonatige Hafenliegezeit beendet und kehrt jetzt wie geplant in den Einsatz zurück. Die USS Carl Vinson hat ihr sechsmonatiges Deployment fast hinter sich, wird im Juni nach einer gemeinsamen Übung von der Reagan abgelöst und dampft dann Richtung San Diego. Das ist SNAFU und sonst nichts. Kein Grund, sich aufzuregen.

Viel interessanter wäre es, herauszufinden, was die Schiffe der DESRON 15 derzeit machen. Alle acht Schiffe des Zerstörer-Geschwaders sind BMD fähig und mit den neuesten Flugkörpern SM3 Block IIA ausgerüstet, die Mid Course Defense gegen ICBMs bieten. Diese Schiffe wären essentiell zur Raketenabwehr, wenn ein Angriff auf Nordkorea bevorstände. Benötigt würde zudem mindestens ein Cruise Missile Boot der Ohio-Klasse. Davon ist auf jeden Fall die USS Michigan SSGN 727 in der Region auf Patrouille.

Öffentlicher Atom-Blödsinn

Heute ist auf der Tagesschau.de folgender „exklusiver“ Beitrag zu bewundern: Deutsches Uran für US-Atomwaffen (inzwischen ist der Beitrag komplett umgeschrieben worden. Hier der Ursprungsbeitrag  aus dem Internet Archive). Leider hat der Beitrag zwei gewaltige Probleme: 1. ist er schlecht recherchiert und deshalb 2. fehlerhaft.

TPBARs enthalten kein Uran, nicht einmal ein Mikrogramm davon. Sie sind auch keine Brennstäbe, sondern Absorberstäbe, wie der Name schon sagt. Ihre Aufgabe ist es nicht, Energie oder Strahlung zu produzieren, sondern Strahlung, in diesem Fall Neutronen, zu absorbieren.

TPBARs bestehen im wesentlichen aus Lithiumaluminat, einer Verbindung aus Lithium und einem Salz der Aluminiumsäure – ein weißlich durchscheinender Feststoff – und einem das Lithiumaluminat umhüllenden Metallhydrid. An Stellen mit besonders hohem Neutronenflus in einem Reaktor platziert, produziert das Lithiumaluminat unter Neutronenbeschuss Tritium. Normalerweise entwiche dieses Tritium wieder, wird allerdings durch das umhüllende Metallhydrid in dessen Kristallgitter gespeichert. Lithiumluminat ist auch kein Zauberstoff, sondern dient in Brennstoffzellen zur Wasserstoffspeicherung und findet in der Halbleiterindustrie breite Verwendung.

Nach rund 600 Bestrahlungsstunden werden die Absorberstäbe entnommen und das Tritium – rund 1,2 Gramm pro Stab – extrahiert.

Tritium findet in US-Nuklearwaffen als Booster in geringen Mengen Verwendung. Bei der Verdichtung des Spaltmaterials im Kern (235U oder 239Pu) findet im Tritium eine kleine Fusionsreaktion statt. Diese Reaktion liefert sehr viele Neutronen, die wiederum die anwachsende Neutronenwelle im Kern der Waffe verstärken und mehr Spaltungen im Uran oder Plutonium auslösen, was wiederum zu noch mehr Neutronen führt.

Diese Neutronen aus der ersten, der Fissionsstufe der Waffe, lösen durch Aufheizung und Kompression, sowie Reflexion als weiche Röntgenstrahlung am inneren Gehäuse der Waffe eine Fusionsreaktion in der zweiten Stufe der Waffe, der Fusionsstufe, aus. Das Ergebnis ist eine Ausbeute von etwa 500 Kilotonnen (einer halben Megatonne) in einem sehr kompakten (1,4 Meter langen und nur rund 40 cm durchmessenden) rund 180 Kilo schweren Sprengkopf.

Das Problem an Tritium ist seine Halbwertszeit von rund zwölf Jahren. Damit die Waffe sicher funktioniert, muss das zerfallende Tritium aus einem Vorratsbehälter ersetzt werden, der nachgefüllt werden kann. Dies geschah in den USA bislang aus dem Recycling zerlegter und verschrotteter Sprengköpfe. Allerdings haben die USA die Verschrottung inzwischen gestoppt und rund 2000 Sprengköpfe als „hedge“ für schlechte Zeiten in die Reserve gestellt. In Zeiten der Krise sollen diese Sprengköpfe für eine schnelle Aufrüstung zur Verfügung stehen. Deshlab muss nun wieder frisches Tritium produziert werden.

Es ist alles nur geklaut …

D 646 Latouche Treville - YouTube_2015-09-02_14-04-12 PLAN video

 

Einen dreisten Fall von Copyright-Piraterie hat sich die chinesische Marine (PLAN) geleistet. Im jüngsten Werbevideo taucht eine Zwei-Sekunden-Sequenz auf, die nicht nur einer Sequenz aus einem französischen Marinevideo verblüffend ähnelt, sondern schlicht geklaut ist. Das geklaute PLAN-Video und das Original der französichen Marine Nationale. Die genauen Ansteuerzeiten: PLAN 0:49 bis 0:51, Marine Nationale 1:43 – 1:47. Eine zweite, wenn auch sehr kurze geklaute Sequenz findet sich beim PLAN-Video bei 2:59, das Original der Marine Nationale bei 2:07. Auch die Musik des PLAN-Videos erinnert fatal an ein uraltes Werbevideo der US-Marine.

 

 

Luftaufklärung Richtung Syrien

atlantique

Nachdem bereits die USA und Großbritannien Luftaufklärungs- und Führungkapazitäten in den östlichen Mittelmeerraum verlegt haben, zieht jetzt auch Frankreich nach. Wie Air&Cosmos  am 2.9. berichtet, wurden zwei Flugzeuge vom Typ Atlantique 2 nach Zypern auf die britische Luftwaffenbasis Akrotiri verlegt. Die Massierung von Luftaufklärungs- und Führungsflugzeugen hatte auch in den Wochen vor Beginn der Operation „Odyssey Dawn“ gegen Libyens Diktator Ghaddafi stattgefunden. Die Atlantique-2-Maschinen dienen vor allem der SIGINT-Aufklärung, also dem Abhören aller Formen elektronischer Kommunikation.

Nur wenige Tage zuvor hatte Großbritannien nach Berichten sechs Kampfflugzeuge vom Typ Typhoon und eine Maschine vom Typ E-3D Sentry (AWACS) nach Akrotiri verlegt. Nach anderen Berichten handelte es sich sogar um zwei AWACS-Maschinen.

Am 29. August wurden zudem zwei Spionageflugzeuge vom Typ U-2 bei der Landung auf Akrotiri fotografiert, wie der Journalist Andrew Potter auf Twitter berichtete.

There’s a right way, there’s a wrong way and there’s a french way

Getreu dem alten Motto aus Kreisen der Nuklearenergie tut sich etwas in den Beziehungen zwischen Frankreich und China: Beide Länder stehen kurz vor der Unterzeichnung eines Abkommens zur Lieferung einer französischen Wiederaufarbeitungsanlage nach dem Vorbild von La Hague.

Dies bedeutete für China den Einstieg in die Plutoniumproduktion in großem Stil. Bislang besitzt Peking nur eine kleine Anlage, die Plutonium für die chinesischen Nuklearsprengköpfe produziert. Davon hat China nur etwa 240, im Vergleich zu 2000-4000 Sprengköpfen, die die beiden Großmächte USA und Russland besitzen. Mit einer Wiederaufarbeitungsanlage vom Kaliber La Hagues hingegen ändert sich die Stellung Chinas als Plutoniumproduzent. Nicht mehr Kilogramm, sondern Tonnen des Bombenstoffs 239-Pu in waffenfähiger Qualität (mehr als 93 Prozent 239-Pu= Supergrade Plutonium) könnte China dann produzieren. Bislang sind zwar aus Peking keine Signale gekommen, das nukleare Arsenal drastisch auszubauen, die Voraussetzungen dafür wären mit einer großen Wiederaufarbeitungsanlage jedoch geschaffen.

Noch ein weiteres, besonderes, Feature der französischen Wiederaufarbeitungstechnologie macht Experten besorgt: Es ist eine Besonderheit der französischen Konstruktion, dass in der Anlage kein stationsweiser Auflöse-Prozess, sondern ein kontinuierlicher Auflöser läuft, der eine Mengenüberwachung durch externe Stellen wie beispielsweise durch die IAEA unmöglich oder zumindest extrem schwierig macht.

Yuri’s Night

Statt grimmer militärischer Aussichten mal etwas Schönes, gefunden auf dem Blog „All things nuclear“   der Union of concerned Scientists.

Heute ist Yuri’s Night, die Nacht vom 11. auf den 12. April, jenen Tag, an dem zum ersten Mal ein Mensch in den Weltraum vorgestoßen ist: Juri Gagarin, der am 12. April 1961 die Erde aus dem Weltall sah und umrundete.

Überall gibt es dazu Partys und koordiniert werden sie über die Website „Yuri’s Night“.

In diesem Sinne: Cool runnings, Juri …