Speak softly, and carry a big stick

Wenig beachtet von den Medien lassen die USA im Südchinesischen Meer die Muskeln spielen: Zwei Flugzeugträgergruppen und eine amphibische Landungsgruppe sind im Streit um die Senkaku-Inseln zwischen Japan und China aufgefahren. Die Kampfgruppe um den Flugzeugträger George Washington ist nach Angaben der US-Marine seit Sonntag im Ostchinesischen Meer ganz in der Nähe der umstrittenen Inseln. Die Kampfgruppe des Flugzeugträgers Stennis ist qusi nebenan im Südchinesischen Meer und die aus drei Schiffen und 2200 Mann Marineinfanterie bestehende amphibische Landungsgruppe um die USS Bonhomme Richard kreuzt in der Philppinen-See, ebenfalls nebenan.
Die Projektion maritimer Macht wird zwar von den USA nicht kommentiert, der Adressat ist jedoch klar: Wieder einmal zeigt Washington damit Peking, wer wirklich die Hosen anhat, wenn es um die Kontrolle des Pazifiks geht. Natürlich könnte diese Machdemonstration auch Japan gelten oder auch rein zufällig sein.

Falscher Alarm

Alarmstimmung im Internet, was die Mobilisierung der US-Flotte angeht? Falscher Alarm trifft es eher. Behauptungen, die USS Harry S. Truman (CVN-75) mache sich zum Einsatz bereit, sind Blödsinn. Die Truman kreuzt im Atlantik ohne Air Wing und bringt gerade die „Tailored Ship’s Training Availability“ (TSTA I) hinter sich. Das ist die Startphase eines Workups bis zur Einsatzbereitschaft, der mindestens sechs Monate dauert.  Kein Einsatz vor April 2013!

Auch bei den amphibischen Trägern Fehlanzeige. Die Iwo Jima (LHD-6) Amphibious Ready Group (ARG) schwimmt derzeit entweder im Golf von Aden oder in der Arabischen See, die Peleliu (LHA-5) ARG ist als Ablösung seit dem 17. September unterwegs, braucht aber mindestens noch zwei bis drei Wochen bis in den Bereich der 5. US-Flotte. Die Bonhomme Richard ARG ist forward deployed und bleibt ausschließlich im Bereich der 7. US-Flotte. Verließe sie ihn, so wäre das wirklich ein Alarmzeichen. Die Boxer (LHD-4) ARG befindet sich zwar im Pazifik, ist jedoch nach einer sechsmonatigen Werft-Pause noch im Workup und fällt noch für Monate aus. Die mehrfach als Einsatzkandidat kolportierte Wasp (LHD-1) ARG war zwar im Atlantik, ist aber nach Norfolk zurückgekehrt und wird auf keinen Fall in den Einsatz gehen: Ihr Advanced Combat Direction System (ACDS) ist technisch überholt. Ein Upgrade auf das Ship Self Defense Support System (SSDS) erfolgte nie, weshalb das Schiff seit 2004 keinen Einsatz mehr gesehen hat und als Erprobungsschiff für den Kipprotorflügler MV-22 Osprey diente. Erst 2014 soll die Modernisierung der Wasp abgeschlossen sein.

Heißer Herbst in Sicht?

Auch wenn die USA und Israel beteuern, alles, was derzeit an Militärbewegungen geschehe, sei Routine, seit langem geplant oder richte sich nicht gegen Iran, geschehen derzeit immer mehr Dinge, die Routine, seit langem geplant oder nicht gegen den Iran gerichtet sind.

Eines davon ist die Übung „Austere Challenge 12“, die Ende Oktober stattfinden soll.  Die us-amerikanisch-israelische Raketen-Abwehr-Übung ist im geplanten Umfang die größte ihrer Art. Ende Februar dieses Jahres verschoben, wurde der Umfang zwar heruntergesetzt, ist aber immer noch erheblich. Statt der geplanten 5000 Mann wollen die USA nur noch 1500 entsenden. Bei der Hardware wurden aber scheinbar keine Abstriche gemacht, nach wie vor wollen die USA eine THAAD-Batterie (Theater High Altitude Area Defense) entsenden, eine ungenannte Anzahl von Patriot PAC-3-Systemen und Aegis-Schiffe zur Raketenabwehr.  Israel steuert ein Forward based X-Band Radar, zahlreiche Patriot PAC-3-Batterien, Arrows-Batterien und sein Iron Dome-System bei.

Signifikant gestiegen ist die Zahl der eingesetzten Aegis-Zerstörer, die in der Lage sind, ballistische Raketen abzuwehren Derzeit befinden sich VIER Aegis-Zerstörer mit BMD-(Ballistic Missile Defense)-Capability (DDG-58 USS LaboonDDG-67 USS Cole, DDG-74 USS McFaulDDG-79 USS Oscar Austin) im Mittelmeer. Wie viele davon an der Übung teilnehmen werden, ist unklar. Klar ist nur, dass noch niemals zuvor so viele BMD-Schiffe im Mittelmeer kreuzten.
Im Persischen Golf befinden sich derzeit mindestens drei weitere US-amerikanische Aegis-BMD-Zerstörer (DDG-65 USS Benfold, DDG-73 USS Decatur, DDG-77 USS O’Kane) sowie das Missile Range Instrumentation Ship USNS Invincible . Insgesamt lässt sich sagen, dass der gesamte Nahe Osten derzeit von einem Aegis-BMD-Schirm überspannt wird, wie es ihn dort noch nie gegeben hat. Alles Routine?

Doch auch zu Lande bauen die USA vor, routinemäßig, versteht sich. Eine THAAD-Batterie wird nach Katar verlegt, eine weitere soll in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) auf der Airbase Al Dhafra entstehen und Al-Udeid wimmelt vor Patriot PAC-3-Batterien.

Fazit: Für einen Heißen Herbst – den Generalangriff  auf das iranische Atomprogramm – steht die nötige Hardware zur Abwehr eines iranischen Vergeltungsschlages mit Raketen bereit.

Iran auf Kollisionskurs

Der Iran plant nach Berichten  noch vor Ende des Jahres nach iranischem Kalender großangelegte Militärmanöver zur See und in der Luft. Dies hat nach Angaben des iranischen Nachrichtensenders PressTV der Kommandeur des iranischen Heeres, Brigadegeneral Ahmad-Reza Pourdastan, verlauten lassen.

Auch Streitkräfte der Revolutionären Garden sollen danach an mehreren Manövern beteiligt sein, die „höchstwahrscheinlich“ im Südosten, im Zentraliran und entlang der westlichen Landesgrenze stattfinden sollen. Weitere Manöver seien geplant.

Das iranische Jahr endet im März 2013. Auch dann werden unter Extrapolation der bisherigen Stationierungsintervalle zwei US-Trägergruppen am, im oder vor dem Golf schwimmen. Eine hochexplosive Situation, unter Umständen.