„2053“

Eine schöne und ein wenig gruselige Darstellung der 2053 oberirdischen und unterirdischen Atomtest, die seit 1945 auf Erden stattgefunden haben, bietet die CTBTO, die Organisation des Atomteststoppabkommens.

Das Multimedia-Kunstwerk schuf der japanische Künstler Isao Hashimoto. Es ist Teil einer Dreierserie von Kunstwerken, die den Wahnsinn des Atomkriegs und der Nuklearrüstung visualisieren sollen. Kunstwerk Nummer zwei trägt den Titel „Overkill“ und Kunstwerk Nummer drei „The Names of Experiments“.

Willkommen im Wahnsinn der atomaren Rüstung.

Bibis Bombe

Benjamin Netanjahu vor der UNO-Vollversammlung

Benjamin Netanjahu vor der UNO-Vollversammlung

Auf der UN-Vollversammlung hat Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu am 27. September seinem Hauptanliegen, der Warnung vor einem Atomwaffenstaat Iran, den vermutlich größten Bärendienst ever erwiesen. Die Grafik einer Bombe, die verdächtig an Sprengsätze aus Slapstickfilmen erinnerte, mutete derart bescheuert an, dass die meisten Menschen offenbar abgeschaltet hatten. Nur so ist zu erklären, warum das, was „Bibi“ zu sagen hatte, vollkommen untergegangen ist.

Denn die Aufregung der Israelis ist berechtigt: Der Iran hat schon sehr bald mehr als 90 Prozent des Weges zur Atombombe zurückgelegt!
Warum das so ist, erläutert das Arms Control Wonk. Eine kurze Zusammenfassung  lautet in etwa so:

Die „Anreicherung“ von Uran ist eigentlich ein Separationsvorgang, hier wird nichts hinzugefügt, wie der Terminus „anreichern“ suggeriert, sondern etwas weggenommen. Genauer gesagt wird das als Isotopengemisch vorliegende Uran in wertloses 238U und „wertvolles“ – weil als Bombenstoff gewünschtes – 235U getrennt. Gestartet wird mit Natururan, das zu 99,3 Prozent aus 238U und nur zu 0,7 Prozent aus 235U besteht. Einfacher ausgedrückt: Wenn die Gesamtmenge des Gemischs 1000 Atome beträgt, dann sind davon 993 Atome 238U, das für eine Bombe unbrauchbar ist und 7 Atome 235U.

Jagt man das Ganze nun immer wieder durch Zentrifugen, bei denen 238U abgeschieden wird, so steigt der Anteil von 235U-Atomen am Gemisch prozentual an,  während zugleich die Gesamtmenge natürlich abnimmt, weil 238U-Atome rauszentrifuguert werden. Bei einem so genannten „Anreicherungsgrad“ von 5 Prozent 235U im Gemisch, wie er typischerweise für den Kernbrennstoff von Druckwasserreaktoren benötigt wird, hat  sich das Verhältnis der Atome zwischen 235U und  238U auf 7 : 140 (5 Prozent) geändert. Oder anders ausgedrückt: Von den 993 unbrauchbaren 238U-Atomen wurden bereits 853 abgeschieden. Damit ist bereits 70 Prozent der gesamten Separationsarbeit auf dem Weg zu waffentauglichem 235U geleistet.

Wird das vorliegende Gemisch dann auf einen Gehalt von 20 Prozent 235U „angereichert“, verschwinden von den vormals 140 Atomen 238U noch einmal 105 Atome, so dass das Verhältnis 235U zu 238U nun 7 : 35 beträgt. Damit ist dann 90 Prozent der gesamten Separationsarbeit geleistet.

Im letzten Schritt der Hochanreicherung auf 90prozentiges U235 müssen von den 35 verbliebenen 238U-Atomen nur noch 34 herauszentrifugiert werden. Und dieser letzte Schritt braucht auch keine riesigen Anlagen mehr wie etwa in Natanz oder Fordow. Dazu reicht ein größeres Labor, das sich gut verstecken und tief verbunkern lässt.

Die jüngste Aufregung um das iranische Atomprogramm kommt also nicht von ungefähr.

Nach dem neuesten Bericht der IAEO vom August 2012 besitzt Iran derzeit 6876 kg auf 5 Prozent 235U angereichertes Material und 189,4 kg auf 20 Prozent 235U angereichertes Material. Die so genannte „single quantity“ (ausreichend für den Bau einer Bombe) liegt bei ungefähr 260 kg auf 20 Prozent 235U angereichertem Material, aus dem sich dann etwa 26 bis 28 kg 90prozentiges 235U gewinnen ließen.

Briten und Franzosen im Mittelmeer

Großbritannien schickt im Oktober einen Kampfschiffsverband unter Führung des Hubschrauberträgers HMS Illustrious ins Mittelmeer. Teil des Verbandes ist auch ein amphibisches Landungsschiff mit Royal Marines an Bord. Für Ende Oktober oder Anfang November ist eine Großübung in Zusammenarbeit mit dem Kampfverband um den französischen Flugzeugträger Charles de Gaulle geplant.

US-Kampfflugzeuge gen Nahost

Eine ganze Reihe von Verlegungen von Kampfflugzeugen Richtung Naher Osten und keine offiziellen Erklärungen dazu:

  • September 2012: AC-130U, MC-130H und HC-130N und P werden aus den USA in den Mittelmeerraum verlegt.

Inzwischen ist auch Stratfor wachgeworden, wie üblich ein bißchen später …

Speak softly, and carry a big stick

Wenig beachtet von den Medien lassen die USA im Südchinesischen Meer die Muskeln spielen: Zwei Flugzeugträgergruppen und eine amphibische Landungsgruppe sind im Streit um die Senkaku-Inseln zwischen Japan und China aufgefahren. Die Kampfgruppe um den Flugzeugträger George Washington ist nach Angaben der US-Marine seit Sonntag im Ostchinesischen Meer ganz in der Nähe der umstrittenen Inseln. Die Kampfgruppe des Flugzeugträgers Stennis ist qusi nebenan im Südchinesischen Meer und die aus drei Schiffen und 2200 Mann Marineinfanterie bestehende amphibische Landungsgruppe um die USS Bonhomme Richard kreuzt in der Philppinen-See, ebenfalls nebenan.
Die Projektion maritimer Macht wird zwar von den USA nicht kommentiert, der Adressat ist jedoch klar: Wieder einmal zeigt Washington damit Peking, wer wirklich die Hosen anhat, wenn es um die Kontrolle des Pazifiks geht. Natürlich könnte diese Machdemonstration auch Japan gelten oder auch rein zufällig sein.

E la nave va

Der Aufmarsch der US-Flotte geht weiter: Am 26. September haben die beiden Zerstörer DDG-99 USS Farragut und die DDG-109 USS Jason Dunham den Suez-Kanal Richtung Süden passiert. Dunham und Farragut waren ursprünglich für ein Deployment mit der 6. Flotte (Mittelmeer) ausgelaufen. Mit der Durchquerung des Suez-Kanals wechseln sie in den Zuständigkeitsbereich der 5. Flotte (Indischer Ozean, Persischer Golf). Gründe werden keine angegeben.

Ansturm auf US-Dollar in Iran

Der Rial, die offizielle Währung des Iran, hat in den vergangenen Wochen drastisch an Wert gegenüber dem US-Dollar verloren. War der Abstieg des Rial bislang ein steiler Sinkflug, so entwickelt er sich jetzt zum Absturz.

Im September 2011 handelte der Rial noch mit 12.000 für einen US-Dollar. Am Freitag vergangener Woche stand der Kurs bei 27.200 zu eins. Über das letzte Wochenende hat sich die Lage noch einmal verschärft: Am Sonntag sackte der Rial auf 29.350 zu eins gegenüber dem US-Dollar und verlor von Sonntag auf den heutigen Montag noch einmal 16 Prozent an Wert mit einem Wechselkurs von 35.000 zu eins, so berichtet das Blog Uskowi on Iran.

Den Wechselstuben scheinen inzwischen die Dollars auszugehen, viele haben begonnen, früher zu schließen als üblich, Menschen sammeln sich auf der Manoochehri Road und dem Istanbul-Platz. Die Preise für Nahrungsmittel, Konsumartikel und Rohstoffe steigen inzwischen täglich.

Update: Am Dienstag, den 2. Oktober, wechselte ein US-Dollar für 45.000 Rial! Seit Jahresbeginn hat die Währung damit fast vier Fünftel ihres Wertes verloren. Die Inflation gibt die Regierung mit 25 Prozent an. Irans Staatspräsident Mahmud Ahmadinedschad macht natürlich den Westen für die Wirtschafts- und Währungskrise verantwortlich.

 

Update 2: Wegen des Währungsverfalls ist es im Iran erstmals zu Ausschreitungen gekommen, berichtet die Tagesschau.

Falscher Alarm

Alarmstimmung im Internet, was die Mobilisierung der US-Flotte angeht? Falscher Alarm trifft es eher. Behauptungen, die USS Harry S. Truman (CVN-75) mache sich zum Einsatz bereit, sind Blödsinn. Die Truman kreuzt im Atlantik ohne Air Wing und bringt gerade die „Tailored Ship’s Training Availability“ (TSTA I) hinter sich. Das ist die Startphase eines Workups bis zur Einsatzbereitschaft, der mindestens sechs Monate dauert.  Kein Einsatz vor April 2013!

Auch bei den amphibischen Trägern Fehlanzeige. Die Iwo Jima (LHD-6) Amphibious Ready Group (ARG) schwimmt derzeit entweder im Golf von Aden oder in der Arabischen See, die Peleliu (LHA-5) ARG ist als Ablösung seit dem 17. September unterwegs, braucht aber mindestens noch zwei bis drei Wochen bis in den Bereich der 5. US-Flotte. Die Bonhomme Richard ARG ist forward deployed und bleibt ausschließlich im Bereich der 7. US-Flotte. Verließe sie ihn, so wäre das wirklich ein Alarmzeichen. Die Boxer (LHD-4) ARG befindet sich zwar im Pazifik, ist jedoch nach einer sechsmonatigen Werft-Pause noch im Workup und fällt noch für Monate aus. Die mehrfach als Einsatzkandidat kolportierte Wasp (LHD-1) ARG war zwar im Atlantik, ist aber nach Norfolk zurückgekehrt und wird auf keinen Fall in den Einsatz gehen: Ihr Advanced Combat Direction System (ACDS) ist technisch überholt. Ein Upgrade auf das Ship Self Defense Support System (SSDS) erfolgte nie, weshalb das Schiff seit 2004 keinen Einsatz mehr gesehen hat und als Erprobungsschiff für den Kipprotorflügler MV-22 Osprey diente. Erst 2014 soll die Modernisierung der Wasp abgeschlossen sein.

Iraner am Südpol

Ja, es gibt nicht nur Schweine im Weltall, sondern auch Iraner am Südpol. Da jedenfalls will die iranische Marine hin. „Wir können die Flagge Irans in den verschiedensten Regionen, vom Nordpol bis zum Südpol, hissen und wir bereiten Pläne für eine Präsenz nahe dem Südpol vor“, erklärte der iranische Marinekommandeur Konteradmiral Habibollah Sayyari am Freitag vergangener Woche. Es sei das Recht Irans, in allen internationalen Gewässern Flagge zu zeigen.

Nun scheint Geographie nicht unbedingt die Stärke des Admirals zu sein. Da der Südpol auf einer riesigen Landmasse liegt und selbst unter günstigsten Umständen deutlich weiter als 1000 Kilometer vom nächsten offenen Wasser entfernt ist, dürfte es der iranischen Marine schwer fallen, ihm nahe zu kommen, es sei denn, eine Distanz von 1000 Kilometern entspricht der iranischen Auffassung von „Nähe“.

Wie dem auch sei, wir wünschen der iranischen Marine gute Heizungen an Bord ihrer Schiffe, deren größtes eine Korvette – genannt Zerstörer – ist. Und nehmt warme Unterhosen mit, Jungs …

Tod aus der Luft

Die USA bereiten offenbar eine Aktion gegen die Hintermänner der Botschaftsmorde von Tripolis vor. In den letzten zwei Wochen wurden  ein Dutzend Spezialflugzeuge vom Typ HC-130N, MC-130H und so genannte „Gunships“ vom Typ AC-130U „Spooky“ in den Mittelmeerraum verlegt. Ziel war offenbar der Militärflugplatz Souda Bay auf Kreta, zumindest für die Maschinen des Typs AC-130U und die zugehörigen Tanker vom Typ KC-135.

Die Flugzeuge sind so genannte „Special Operations“-Flugzeuge, Die MC-130H wird von Sondereinsatzkräften zur Infiltration und Exfiltration bei Operationen hinter feindlichen Linien benutzt, die HC-130N dient der Rettung von Soldaten in Kriegsgebieten (Combat Search and Rescue CSAR) und die AC-130U ist eine fliegende Artiellerieplattform. Auszug aus Wikipedia: „Als hochmodernes „Gunship“ wurde in den 1990er-Jahren die AC-130U Spooky II gebaut. Sie ist mit dem Radar der F-15E, einem 25-mm-Gatling-Geschütz, dem 40-mm-Bofors-Geschütz und einer 105-mm-Haubitze ausgerüstet. Die hochentwickelte Elektronik erlaubt es, selbst fahrende Ziele exakt zu treffen. Diese Version kam unter anderem während der Operation Enduring Freedom in Afghanistan zur Luftnahunterstützung von Spezialeinheiten zum Einsatz. Im Januar 2007 erfolgte mit solch einer Maschine ein Angriff auf vermutliche Terroristen in dem südsomalischen Dorf Badel, dem zahlreiche Menschen zum Opfer fielen. Auch bei den Luftangriffen auf die Truppen des libyschen Diktators Muammar al-Gaddafi 2011 kamen die Schlachtflugzeuge zum Einsatz.“
Als Ziel gelten die mutmaßlichen Verstecke islamistischer Terroristen der Al Kaida im Maghreb (AQM) in Ost-Libyen und dem nördlichen Mali. Auch Frankreich hat nach Berichten des Figaro bereits 100 Mann Spezialkräfte in die Region entsandt und will diese noch verstärken. Überwachungsflugzeuge sollen nach Niger verlegt worden sein.