Irans Atomanlagen: Die Angriffs-Anzeichen verdichten sich

David Rothkopf, ein früherer Mitarbeiter der Clinton-Regierung hat jetzt offen ausgesprochen, was sich seit längerem andeutet: Die USA und Israel planen einen begrenzten Angriff auf die Uran-Separationsanlagen in Iran.

Militärisch sagt Rothkopf nichts Neues: Israel sei nicht in der Lage, allein Bomben mit der nötigen Durchschlagskraft ins Ziel zu bringen, der Angriff würde mit bemannten Luftfahrzeugen und Drohnen geführt und soll im Idealfall wenige Stunden und ungünstigstenfalls „einige Tage“ dauern.

Auch der Hinweis, dass ein begrenzter Militärschlag für Obamas Regierung politisch am ehesten zu verkraften sei, ist nicht neu. All diese Zutaten sind bekannt. Die immer rührige WWW-Gerüchteküche bringt allerdings etwas Schärfe in das Menü: Noch vor den US-Wahlen im November soll danach der Angriff erfolgen.

Das könnte auch Israels Ministerpräsident Netanjahu ins Konzept passen. Der sonnt sich gerade in guten Umfragewerten und plant deshalb, die Parlamentswahlen in Israel auf Anfang 2013 vorzuverlegen. Da würde ein erfolgreicher Schlag gegen Iran gut ins Konzept passen. Und er könnte auch die Scharte auswetzen, die er sich mit seinem wenig erfolgreichen Auftritt vor der UN-Vollversammlung eingehandelt hatte.

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US-Kampfflugzeuge gen Nahost

Eine ganze Reihe von Verlegungen von Kampfflugzeugen Richtung Naher Osten und keine offiziellen Erklärungen dazu:

  • September 2012: AC-130U, MC-130H und HC-130N und P werden aus den USA in den Mittelmeerraum verlegt.

Inzwischen ist auch Stratfor wachgeworden, wie üblich ein bißchen später …

Speak softly, and carry a big stick

Wenig beachtet von den Medien lassen die USA im Südchinesischen Meer die Muskeln spielen: Zwei Flugzeugträgergruppen und eine amphibische Landungsgruppe sind im Streit um die Senkaku-Inseln zwischen Japan und China aufgefahren. Die Kampfgruppe um den Flugzeugträger George Washington ist nach Angaben der US-Marine seit Sonntag im Ostchinesischen Meer ganz in der Nähe der umstrittenen Inseln. Die Kampfgruppe des Flugzeugträgers Stennis ist qusi nebenan im Südchinesischen Meer und die aus drei Schiffen und 2200 Mann Marineinfanterie bestehende amphibische Landungsgruppe um die USS Bonhomme Richard kreuzt in der Philppinen-See, ebenfalls nebenan.
Die Projektion maritimer Macht wird zwar von den USA nicht kommentiert, der Adressat ist jedoch klar: Wieder einmal zeigt Washington damit Peking, wer wirklich die Hosen anhat, wenn es um die Kontrolle des Pazifiks geht. Natürlich könnte diese Machdemonstration auch Japan gelten oder auch rein zufällig sein.

Falscher Alarm

Alarmstimmung im Internet, was die Mobilisierung der US-Flotte angeht? Falscher Alarm trifft es eher. Behauptungen, die USS Harry S. Truman (CVN-75) mache sich zum Einsatz bereit, sind Blödsinn. Die Truman kreuzt im Atlantik ohne Air Wing und bringt gerade die „Tailored Ship’s Training Availability“ (TSTA I) hinter sich. Das ist die Startphase eines Workups bis zur Einsatzbereitschaft, der mindestens sechs Monate dauert.  Kein Einsatz vor April 2013!

Auch bei den amphibischen Trägern Fehlanzeige. Die Iwo Jima (LHD-6) Amphibious Ready Group (ARG) schwimmt derzeit entweder im Golf von Aden oder in der Arabischen See, die Peleliu (LHA-5) ARG ist als Ablösung seit dem 17. September unterwegs, braucht aber mindestens noch zwei bis drei Wochen bis in den Bereich der 5. US-Flotte. Die Bonhomme Richard ARG ist forward deployed und bleibt ausschließlich im Bereich der 7. US-Flotte. Verließe sie ihn, so wäre das wirklich ein Alarmzeichen. Die Boxer (LHD-4) ARG befindet sich zwar im Pazifik, ist jedoch nach einer sechsmonatigen Werft-Pause noch im Workup und fällt noch für Monate aus. Die mehrfach als Einsatzkandidat kolportierte Wasp (LHD-1) ARG war zwar im Atlantik, ist aber nach Norfolk zurückgekehrt und wird auf keinen Fall in den Einsatz gehen: Ihr Advanced Combat Direction System (ACDS) ist technisch überholt. Ein Upgrade auf das Ship Self Defense Support System (SSDS) erfolgte nie, weshalb das Schiff seit 2004 keinen Einsatz mehr gesehen hat und als Erprobungsschiff für den Kipprotorflügler MV-22 Osprey diente. Erst 2014 soll die Modernisierung der Wasp abgeschlossen sein.

Heißer Herbst in Sicht?

Auch wenn die USA und Israel beteuern, alles, was derzeit an Militärbewegungen geschehe, sei Routine, seit langem geplant oder richte sich nicht gegen Iran, geschehen derzeit immer mehr Dinge, die Routine, seit langem geplant oder nicht gegen den Iran gerichtet sind.

Eines davon ist die Übung „Austere Challenge 12“, die Ende Oktober stattfinden soll.  Die us-amerikanisch-israelische Raketen-Abwehr-Übung ist im geplanten Umfang die größte ihrer Art. Ende Februar dieses Jahres verschoben, wurde der Umfang zwar heruntergesetzt, ist aber immer noch erheblich. Statt der geplanten 5000 Mann wollen die USA nur noch 1500 entsenden. Bei der Hardware wurden aber scheinbar keine Abstriche gemacht, nach wie vor wollen die USA eine THAAD-Batterie (Theater High Altitude Area Defense) entsenden, eine ungenannte Anzahl von Patriot PAC-3-Systemen und Aegis-Schiffe zur Raketenabwehr.  Israel steuert ein Forward based X-Band Radar, zahlreiche Patriot PAC-3-Batterien, Arrows-Batterien und sein Iron Dome-System bei.

Signifikant gestiegen ist die Zahl der eingesetzten Aegis-Zerstörer, die in der Lage sind, ballistische Raketen abzuwehren Derzeit befinden sich VIER Aegis-Zerstörer mit BMD-(Ballistic Missile Defense)-Capability (DDG-58 USS LaboonDDG-67 USS Cole, DDG-74 USS McFaulDDG-79 USS Oscar Austin) im Mittelmeer. Wie viele davon an der Übung teilnehmen werden, ist unklar. Klar ist nur, dass noch niemals zuvor so viele BMD-Schiffe im Mittelmeer kreuzten.
Im Persischen Golf befinden sich derzeit mindestens drei weitere US-amerikanische Aegis-BMD-Zerstörer (DDG-65 USS Benfold, DDG-73 USS Decatur, DDG-77 USS O’Kane) sowie das Missile Range Instrumentation Ship USNS Invincible . Insgesamt lässt sich sagen, dass der gesamte Nahe Osten derzeit von einem Aegis-BMD-Schirm überspannt wird, wie es ihn dort noch nie gegeben hat. Alles Routine?

Doch auch zu Lande bauen die USA vor, routinemäßig, versteht sich. Eine THAAD-Batterie wird nach Katar verlegt, eine weitere soll in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) auf der Airbase Al Dhafra entstehen und Al-Udeid wimmelt vor Patriot PAC-3-Batterien.

Fazit: Für einen Heißen Herbst – den Generalangriff  auf das iranische Atomprogramm – steht die nötige Hardware zur Abwehr eines iranischen Vergeltungsschlages mit Raketen bereit.

Flotten-Bericht 1/2012

Spätestens seit den jüngsten Deployments US-amerikanischer Flugzeugträger sollte jedem klar sein, dass der maritime Aufmarsch am Persischen Golf ernst gemeint ist, sehr ernst. Von den elf Flugzeugträgern, über die die USA verfügen, liegen vier in der Werft und ein fünfter, die USS Enterprise, soll im Dezember außer Dienst gestellt werden. Obwohl damit die Decke sehr dünn ist, werden seit Anfang des Jahres und bis auf weiteres offenbar ständig zwei Flugzeugträgergruppen im oder am Persischen Golf stationiert.

Um diesen Aufmarsch trotz vier und bald fünf fehlender Flattops aufrechtzuerhalten, gehen die USA neue Wege: Die bislang und seit Jahren gültige Einsatzdauer der Träger von sechs Monaten wurde ohne viel Aufhebens auf acht bis neun Monate verlängert. Ein Schritt, der viele Kenner der Materie erstaunte, der ebenso ungewöhnlich wie materialmordend ist, ganz zu schweigen von dem Preis, den die Besatzungen der Schiffe und ihre Familien zahlen müssen.
Seit Januar dieses Jahres schwimmt stets eine Trägerkampfgruppe, bestehend aus einem Flugzeugträger und vier bis fünf Aegis-Luftabwehrkreuzern, im Persischen Golf und eine in der Arabischen See. Der Wechsel zwischen beiden Meeresregionen erfolgt ungefähr monatlich: verlässt die eine Trägergruppe den Golf, setzt die andere Kurs und durchquert die Straße von Hormuz in der Gegenrichtung. Auch für die nächsten Monate wird diese Konstellation aufrechterhalten werden, dies lassen die bislang bekanntgewordenen Stationierungsintervalle als Prognose zu.

Aegis-BMD

Auffällig ist auch ein weiterer Umstand. War es bis letztes Jahr so, dass in der Aegis-Bedeckung der Trägergruppen nicht immer, aber recht häufig auch mindestens ein Aegis-Schiff war, dass in der Lage war Ballistic Missile Defense (BMD) zu betreiben, so hat sich dies vollständig geändert. Sämtliche BMD-fähigen Aegis-Schiffe sind seit Januar dieses Jahres auf Einzelmissionen unterwegs. Stets kreuzen zwei Schiffe im östlichen Mittelmeer, drei bis vier sind immer im Persischen Golf, vier Schiffe sichern Ostasien. Unter den Aegis-Schiffen, die die Träger begleiten, findet sich hingegen kein einziges mehr, das in der Lage wäre, ballistische Raketen abzuwehren.

Cruise Missile-U-Boote

Ebenso auffällig ist eine deutliche Disparität bei den im Einsatz befindlichen U-Booten. Von den Jagd-U-Booten der Los-Angeles-Klasse  sind weit überwiegend nur Boote der Improved-Version und aus dem zweiten Baulos (Flight II) im Einsatz, die über ein Vertical Launching System (VLS) zum getauchten Start von Cruise Missiles verfügen. Derzeit sind mindestens elf Los-Angeles-Boote im Einsatz, davon aber nur drei des ersten Bauloses, die über kein VLS verfügen. Hinzu kommen mindestens zwei Boote der Virginia-Klasse, ebenfalls mit so genannten TLAMs (Tactical Land Attack Missiles) vom Typ Tomahawk und einem VLS ausgerüstet. Zum Hintergrund: Es gibt ebenso viele Flight I-Boote der Los-Angeles-Klasse ohne VLS (31 Stück) wie Boote der Improved-Los-Angeles-Klasse und des Flight II zusammen (ebenfalls 31).

Auch die USS Florida, ein ehemaliges Trident-Raketenboot der Ohioklasse, das zum Tomahawk-Träger umgerüstet wurde, befindet sich im Indischen Ozean. Mitte August wurde sie in Diego Garcia gesichtet, wo sie zur Halbzeit ihres 13-Monats-Einsatzes einen kompletten Crew-Wechsel vornahm. Während des Aufstandes in Libyen Anfang des Jahres feuerte die Florida wenigstens 90 TLAMs aus dem Mittelmeer gegen Ziele der Regierung Gaddafi. Insgesamt haben die zu Cruise-Missile-Booten umgebauten Ohio-Schiffe jeweils 154 Tomahawks an Bord. Die Florida dürfte ihre Bestände ziemlich sicher bei einem Besuch auf der Heimatbasis Kings Bay im Mai dieses Jahres wieder aufgefüllt haben.
Minensucher verdoppelt

Auch die Zahl der Minensuchschiffe, die permanent am Persischen Golf stationiert sind, hat sich seit dem Frühjahr auf acht Schiffe verdoppelt. Alle sind in Manama, in Bahrain stationiert. Hinzu kommt ein unbekannte Anzahl an britischen Minensuchern, die in den letzten Monaten in oder an den Golf verlegt wurden.