Öffentlicher Atom-Blödsinn

Heute ist auf der Tagesschau.de folgender „exklusiver“ Beitrag zu bewundern: Deutsches Uran für US-Atomwaffen (inzwischen ist der Beitrag komplett umgeschrieben worden. Hier der Ursprungsbeitrag  aus dem Internet Archive). Leider hat der Beitrag zwei gewaltige Probleme: 1. ist er schlecht recherchiert und deshalb 2. fehlerhaft.

TPBARs enthalten kein Uran, nicht einmal ein Mikrogramm davon. Sie sind auch keine Brennstäbe, sondern Absorberstäbe, wie der Name schon sagt. Ihre Aufgabe ist es nicht, Energie oder Strahlung zu produzieren, sondern Strahlung, in diesem Fall Neutronen, zu absorbieren.

TPBARs bestehen im wesentlichen aus Lithiumaluminat, einer Verbindung aus Lithium und einem Salz der Aluminiumsäure – ein weißlich durchscheinender Feststoff – und einem das Lithiumaluminat umhüllenden Metallhydrid. An Stellen mit besonders hohem Neutronenflus in einem Reaktor platziert, produziert das Lithiumaluminat unter Neutronenbeschuss Tritium. Normalerweise entwiche dieses Tritium wieder, wird allerdings durch das umhüllende Metallhydrid in dessen Kristallgitter gespeichert. Lithiumluminat ist auch kein Zauberstoff, sondern dient in Brennstoffzellen zur Wasserstoffspeicherung und findet in der Halbleiterindustrie breite Verwendung.

Nach rund 600 Bestrahlungsstunden werden die Absorberstäbe entnommen und das Tritium – rund 1,2 Gramm pro Stab – extrahiert.

Tritium findet in US-Nuklearwaffen als Booster in geringen Mengen Verwendung. Bei der Verdichtung des Spaltmaterials im Kern (235U oder 239Pu) findet im Tritium eine kleine Fusionsreaktion statt. Diese Reaktion liefert sehr viele Neutronen, die wiederum die anwachsende Neutronenwelle im Kern der Waffe verstärken und mehr Spaltungen im Uran oder Plutonium auslösen, was wiederum zu noch mehr Neutronen führt.

Diese Neutronen aus der ersten, der Fissionsstufe der Waffe, lösen durch Aufheizung und Kompression, sowie Reflexion als weiche Röntgenstrahlung am inneren Gehäuse der Waffe eine Fusionsreaktion in der zweiten Stufe der Waffe, der Fusionsstufe, aus. Das Ergebnis ist eine Ausbeute von etwa 500 Kilotonnen (einer halben Megatonne) in einem sehr kompakten (1,4 Meter langen und nur rund 40 cm durchmessenden) rund 180 Kilo schweren Sprengkopf.

Das Problem an Tritium ist seine Halbwertszeit von rund zwölf Jahren. Damit die Waffe sicher funktioniert, muss das zerfallende Tritium aus einem Vorratsbehälter ersetzt werden, der nachgefüllt werden kann. Dies geschah in den USA bislang aus dem Recycling zerlegter und verschrotteter Sprengköpfe. Allerdings haben die USA die Verschrottung inzwischen gestoppt und rund 2000 Sprengköpfe als „hedge“ für schlechte Zeiten in die Reserve gestellt. In Zeiten der Krise sollen diese Sprengköpfe für eine schnelle Aufrüstung zur Verfügung stehen. Deshlab muss nun wieder frisches Tritium produziert werden.

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